Steirische Industriebetriebe beurteilen die Lage im vierten Quartal 2025 besser als zuletzt, prognostizieren aber keinen anhaltenden Trend für das neue Jahr. Beschäftigtenstand bleibt volatil, Steiermark unter dem Österreichschnitt.
Die Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Steiermark, an der 39 steirische Betriebe mit rund 24.600 Beschäftigen teilgenommen haben, zeigt ein stark zweigeteiltes Bild. Zum einen lassen die Indizes, die das vierte Quartal abbilden auf ein Erreichen der Talsohle hoffen, zum anderen prolongieren die Prognosen für die kommenden drei bzw. sechs Monate den Negativtrend. Die Steiermark liegt mit ihren Einschätzungen dabei deutlich unter dem Österreichschnitt und weist abermals ein negatives Geschäftsklima (Kombination aus der aktuellen Lage und dem sechs Monats-Ausblick) auf, während die Mehrheit der Bundesländer die negative Zone verlässt.
Auftragslage solide, dennoch kein Aufatmen
Die kurzfristige Erholung gründet in der Beurteilung der derzeitigen Geschäftslage, die im vierten Quartal bei +4 saldiert nach zuletzt -13. Ähnlich zeigt sich das Bild bei den Auftragsbeständen (Saldo +7). Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass 31 Prozent der Befragten die Auftragsbestände für das letzte Quartal als gut beurteilen – im dritten Quartal waren das nur 11 Prozent. Bei den Exporten ist das Bild nahezu ident und es kommt von einer Veränderung des Saldos von -7 auf +21, wenn auch 47 Prozent der Befragten von einer durchschnittlichen Entwicklung sprechen.
„Die zaghafte Verbesserung der aktuellen Lage lässt uns leider nicht durchatmen. Wir haben unsere Mitglieder zu Jahresbeginn zusätzlich zur Konjunktureinschätzung nach ihrem Ausblick im Vergleich zu 2025 befragt. Von 100 Umfrageteilnehmenden gibt lediglich ein Drittel an, für 2026 zuversichtlich zu sein, die Hälfte geht von einem gleichbleibenden Niveau wie 2025 aus“, so IV-Steiermark Geschäftsführer Christoph Robinson.
Kosten drücken Optimismus
Die Konjunkturumfrage zeigt, dass alle Zukunftsparameter, die auf die kommenden drei bzw. sechs Monate referenzieren, negativ saldieren. „Als Hauptgrund für die sehr verhaltenen Prognosen in der steirischen Industrie sehen wir einmal mehr eine Kostendynamik, die den Betrieben das Wirtschaften anhaltend schwer macht. Energiepreise, Lohnsteigerungen und Aufwand durch Regulierung bleiben die Sorgenkinder, denn die Kosten können auf den Märkten nicht weitergegeben werden. Umso mehr braucht es dringend eine Entlastung,“ betont Robinson. In den Parametern für die kommenden drei Monate spiegelt sich das in gleichbleibender Produktionstätigkeit (Saldo -15) und einer negativen Veränderung der Auslastung der Produktionskapazität wider. Diese nimmt abermals ab und der Index saldiert bei -15 nach zuletzt -2.
Für eine konjunkturelle Trendumkehr in der Steiermark braucht es Maßnahmen
Als anhaltend negativ wird die Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten eingestuft. Der Index bleibt nahezu unverändert nach einem Saldo von -27 im Vorquartal bei aktuell -28. Die Mehrheit – konkret 54 Prozent der Befragten - geht von einer unveränderten Lage in den kommenden sechs Monaten aus.
Und auch beim Beschäftigtenstand setzt sich der Negativtrend fort: Ein Drittel der befragten Betriebe plant weiter Personal abzubauen, was zu einem neuerlichen negativen Saldo von -33 nach zuletzt -29 führt. „Kosten bleiben das zentrale Thema für die steirische Industrie. Sie nehmen Handlungsspielräume, verringern unsere Wettbewerbsfähigkeit und belasten die Stimmung. Personalmaßnahmen sind eine Konsequenz, ebenso wie fehlende Investitionen und Verlagerungen bzw. Abwanderungen. Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts muss daher oberste Priorität in der Landesregierung haben und Maßnahmen rasch umgesetzt werden. Die Bundesländerergebnisse der Konjunkturumfrage zeigen, dass wir in der Steiermark einen besonderen Handlungsbedarf haben,“ fordert der IV-Steiermark Geschäftsführer.
Zur Befragungsmethode der IV-Konjunkturumfrage
Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt folgende Methode zur Anwendung: den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungs-gewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible „Saldo“ bzw. „Index“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.


