Um die Wettbewerbsfähigkeit der Steiermark nachhaltig zu stärken, müssen alle an einem Strang ziehen.
Bei einer hochkarätig besetzten Dialogveranstaltung diskutierten heute Vertreter:innen aus Landespolitik, Industrie und der ÖBB über die Zukunft der steirischen Verkehrsinfrastruktur und deren Bedeutung für Wettbewerbsfähigkeit, Standortattraktivität und regionale Entwicklung. Die zentrale Botschaft des Tages: Nur im Zusammenspiel zwischen Politik, Industrie und Infrastruktur entstehen jene Impulse, die die Steiermark als starken Wirtschafts- und Lebensraum weiter voranbringen.
Die Koralmbahn verändert die Steiermark – Effekte müssen überall ankommen
Landesrätin Claudia Holzer betonte in ihrem Statement die grundlegende Bedeutung von leistungsfähiger Infrastruktur für Wirtschaft, Gesellschaft und regionalen Zusammenhalt:
„Leistungsfähige Verkehrswege sind zentral für die Lebensqualität und die wirtschaftlichen Chancen der Steiermark. Die Koralmbahn zeigt, dass große Infrastrukturprojekte nur im Schulterschluss zwischen Land, Bund und ÖBB gelingen.“ Mit der neuen Südstrecke sei ein völlig neuer Mobilitätsraum entstanden: 1,1 Millionen Menschen, 150.000 Unternehmen und 770.000 Beschäftigte profitieren bereits von verkürzten Wegezeiten, besserer Erreichbarkeit und neuen Arbeitsmarktverflechtungen.
Holzer zählt jedoch zusätzliche Schritte auf, damit die volle Wirkung der Investitionen spürbar wird: am weiteren Ausbau des Cargo Terminal Graz, das bereits heute einer der größten Logistikstandorte Europas ist, wird geplant, eine zeitnahe Umsetzung des Südbahn-Ausbaus Werndorf–Spielfeld-Straß, die Weiterentwicklung der Nord-Süd-Achsen, insbesondere Bosrucktunnel und Pyhrn-Schober-Achse, langfristig eine bessere Flughafenanbindung, einschließlich ihrer Forderung nach einer Koralmbahn-Haltestelle sind von enormer Bedeutung. „Die Steiermark ist keine Randlage mehr – wir sind Teil einer europäischen Metropolregion. Jetzt geht es darum, die nächsten Ausbauschritte entschlossen anzugehen und gemeinsam zu realisieren.“
Infrastruktur entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit
IV-Steiermark-Präsident Kurt Maier unterstrich die Bedeutung von starker Infrastruktur für Exportwirtschaft, Innovation und Investitionen und erläuterte zum Wirkungsgrad der Koralmbahn-Haltestelle: „Eine direkte Anbindung des Flughafens Graz an die Koralmbahn kann gemeinsam mit einem großen Park-&-Ride-Standort eine neue Mobilitätsdrehscheibe für den Süden der Steiermark schaffen. Damit wird der Umstieg auf die Bahn attraktiver, der Großraum Graz entlastet und die Region als Wirtschaftsstandort zusätzlich gestärkt.“ Eine Studie von Joanneum Research zeige klar: Die Steiermark zählt zu den effizientesten Innovationsregionen Europas – doch im Bereich Verkehrsinfrastruktur besteht Handlungsbedarf: „Wettbewerbsfähigkeit entsteht dort, wo leistungsfähige Verkehrskorridore und internationale Erreichbarkeit selbstverständlich sind.“ Maier identifizierte drei strategische Prioritäten: Die Steiermark als leistungsfähigen Güterknoten weiterzuentwickeln, zweitens, den Flughafen Graz zur multimodalen Mobilitätsdrehscheibe für Südösterreich auszubauen sowie drittens rasche und effiziente Genehmigungsverfahren und ein dauerhaftes politisches Commitment. „Zu lange Verfahren verzögern Investitionen, verteuern Projekte und kosten Wettbewerbsfähigkeit. Infrastruktur mit überregionaler Bedeutung muss priorisiert behandelt werden“, betonte Maier abschließend. Die Steiermark habe eine historische Chance – diese müsse jetzt genutzt werden.
ÖBB-CEO Andreas Matthä: „Wir investieren dort, wo die Menschen und Unternehmen profitieren“
ÖBB-Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä dankte zu Beginn Siemens Mobility und der Industriellenvereinigung Steiermark für die Einladung und unterstrich die langjährige Partnerschaft zwischen Industrie und Bahn. „Die Industrie braucht die Schiene – und die Schiene braucht die Industrie. Das gilt in der Steiermark, in Österreich und in Europa heute mehr denn je.“ Er hob hervor, dass die ÖBB trotz herausfordernder Budgetlage weiterhin massiv investieren: allein im Jahr 2026 552 Millionen Euro in die Steiermark.
Rund 100 Tage Koralmbahn – ein Erfolg auf ganzer Linie
Die Bilanz des Bahnchefs nach knapp 100 Tagen Koralmbahn fällt positiv aus. Täglich rund 7.000 Fahrgäste, neue Pendlerströme, neue Wirtschaftsbeziehungen, neue Chancen. Im Güterverkehr haben die ÖBB in den ersten 100 Tagen über 1.000 Güterzüge und mehr als 1 Million Tonnen Güter transportiert. Mit der Inbetriebnahme des Semmering-Basistunnels folgt der nächste große Schritt. Die Strecke Wien–Graz erhält Flachbahncharakter – ein Vorteil für Industrie, Logistik und Klimaschutz.
Matthä nannte beispielhaft eine Reihe weiterer zentraler Ausbauprojekte, die die Zukunftsfähigkeit der Steiermark absichern sollen. Etwa die Elektrifizierung der Steirischen Westbahn, den zweigleisigen Ausbau Werndorf–Spielfeld-Straß, die Modernisierung der Steirischen Ostbahn, diverse Bahnhofsumbauten wie etwa Mixnitz-Bärenschützklamm sowie Investitionen in die Fachkräfte von morgen mit dem Ausbau der ÖBB-Lehrwerkstätte Graz. Auch die Investitionen in die Fahrzeugflotte hob Matthä hervor: 6,1 Milliarden Euro investieren die ÖBB in neue und modernisierte Züge – darunter Railjet M und Doppelstockgarnituren, die künftig auch in der Steiermark unterwegs sein werden.
Zur Diskussion um den Flughafen-Halt betonte Matthä erneut die Systemlogik: „Der Fernverkehr hat klare Taktknoten. Ein zusätzlicher Halt würde das System schwächen. Mit der S-Bahn ist der Flughafen Graz bereits heute gut erschlossen – künftig barrierefrei und in 11 Minuten vom Hauptbahnhof erreichbar.“
Zum Abschluss fasste Matthä die gemeinsame Stoßrichtung zusammen: „Mit Koralmbahn, Semmering-Basistunnel und vielen weiteren Projekten machen wir die Steiermark zu einer der bestangebundenen Regionen Europas – für die Wirtschaft, für die Menschen, für kommende Generationen.“
Die gemeinsame Botschaft der Diskussion: Zukunft entsteht dort, wo Industrie und Schiene zusammenarbeiten. Nur ein enges Zusammenspiel von Industrie, Politik und ÖBB sichert die Weiterentwicklung. Mobilität, Wettbewerbsfähigkeit, Klimaschutz und Lebensqualität seien gemeinsame Anliegen – und gemeinsame Verantwortung.


