Weltweite Unsicherheit braucht regionale Verlässlichkeit

Konjunktureller Abwärtstrend mehrheitlich gestoppt. Konsolidierung 2020 auf aktuellem, tieferen Niveau möglich. Schlechte Ertragslage erschwert Investitionstätigkeit und erhöht Entlastungsbedarf. Globale Entwicklungen fordern Standortverlässlichkeit. EcoAustria fordert Planungssicherheit insbesondere bei der CO2-Bepreisung.

IV-Präsident Georg Knill mit EcoAustria Direktor Prof. Dr. Tobias Thomas

Einen Ausblick auf das Jahr 2020 bietet die Industriellenvereinigung (IV) Steiermark gemeinsam mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria. Die Konjunkturdynamik nimmt ab –Stabilisierung auf aktuellem Niveau scheint jedoch mehrheitlich möglich. Entscheidender Faktor: Innovations- und investitionsfreundliche Standort-Rahmenbedingungen.

Auf Basis der aktuellen Konjunkturumfrage der IV-Steiermark formuliert Präsident Georg Knill die Erwartungshaltung der steirischen Industrie für das Jahr 2020. Aus der Umfrage, an der sich 57 Betriebe mit 47.000 Mitarbeitern beteiligt haben, geht hervor, dass der zuletzt prognostizierte Rückgang in Geschäftslage und Auftragseingang tatsächlich eingetreten ist. Der Index zur Bewertung der Geschäftslage sank seit der letzten Befragung vor drei Monaten von 33 im auf 25, jener der Auftragsbestände von 10 auf 5. Der Auslandsauftragsindex fiel von 8 sogar erstmal seit 2009 in den negativen Bereich (-3).

Erträge 2019 im freien Fall
Besonders bedenklich sieht man in der IV-Steiermark die Entwicklung der Ertragssituation der Betriebe. Nach stabiler Entwicklung in den vergangenen Jahren – die letztlich auch die Grundlage für die Investitionstätigkeit in der Steiermark bot – befand sich die Ertragslage 2019 praktisch im freien Fall. Der Index fiel von +41 zu Jahresbeginn auf nunmehr -5 (erstmals negativ seit 2013). „Laut Prognosen wird sich die Ertragssituation der Betriebe in den kommenden Monaten nicht entspannen. Umso wichtiger sind Entlastungen, um Investitionstätigkeit zu ermöglichen“, so Knill.

Dennoch leiser Optimismus
Grund zur Annahme, dass sich die Abwärtsbewegung einbremst, geben die 3-Monats- und die 6-Monatsperspektive der Unternehmen. Der Index der erwarteten Produktionstätigkeit in drei Monaten dreht aus dem negativen Bereich wieder über die Nulllinie (+17), selbiges gilt für die Geschäftslage binnen Halbjahresfrist, die nunmehr bei +9 liegt. „Wir sehen das als Hinweis darauf, dass sich die Lage in der gesamten steirischen Industrie nicht weiter zuspitzt. Es gibt vereinzelte Betriebe, die überdimensional betroffen sind, von ganzen Branchen ist jedoch nicht auszugehen. Immer vorausgesetzt, dass keines der großen geopolitischen Risiken schlagend wird und unsere Standortpolitik Unternehmen, die in Österreich produzieren, unterstützt. Allen voran durch eine ehestmögliche Senkung der Körperschaftsteuer, wie sie im Regierungsprogramm angekündigt ist“, fasst Knill zusammen.

Industriebeschäftigung auch 2019 im Plus. 2020 zunächst kein Aufbau geplant.
Der nachlassende Beschäftigungsimpuls der Industrie blieb trotz neuerlichem Plus am steirischen Arbeitsmarkt 2019 nicht unbemerkt. Wurden im Jahr 2018 noch 6.290 neue Industriearbeitsplätze in der Steiermark geschaffen (das waren 40 Prozent aller neuen Stellen), waren es 2019 noch 2.018 (25 Prozent aller). Der Beschäftigungsaufbau in der Steiermark insgesamt fiel von 15.676 im Jahr 2018 auf 8.038 im Vorjahr.

Zurückhaltend bleiben im Jahr 2020 die Personalstrategien der steirischen Industrie – eine dramatische Verschärfung der Lage am Arbeitsmarkt zeichnet sich aber nicht ab. Aktuell ist die Zahl jener Unternehmen, die Beschäftigung im ersten Quartal abbauen, größer als jene der Betriebe, die ihre Personalkapazitäten ausweiten wollen. Aber: Lag im Herbst der Index der Beschäftigungsplanung mit 3-Monats-Frist noch bei -45, liegt er nun für die Monate Jänner bis März 2020 mit -9 zwar immer noch im negativen Bereich, jedoch deutlich geringer als zuletzt.

Weltweite Unsicherheit braucht lokale Verlässlichkeit
Für Georg Knill ist in Anbetracht der konjunkturellen Situation und der zunehmenden geopolitischen Unsicherheit die Bewahrung und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit in Österreich und der Steiermark das Gebot der Stunde. „Die Entscheidungen, die Unternehmen heute im globalen Umfeld zu treffen haben, sind geprägt von großer Unsicherheit auf den internationalen Märkten. Die Entscheidungen, die wir gleichzeitig für unsere Standorte in der Steiermark und in Österreich zu treffen haben, müssen umso mehr von hoher Planbarkeit, Stabilität und Verlässlichkeit geprägt sein“, fordert Knill die Regierungen auf Landes- und Bundesebene auf, für Entlastungen und planbare Rahmenbedingungen zu sorgen.

EcoAustria: Steuerreform stärkt Konsum und gibt Raum für Investitionen
Unterstützung erhält der Industriepräsident dabei aus der Wissenschaft. EcoAustria Direktor Prof. Dr. Tobias Thomas spricht dabei von „nachhaltiger Verunsicherung aus dem Ausland“ und der „Hoffnung auf stabilere Zeiten im Inland“.

„Insbesondere die Senkung der hohen Abgabenbelastung, die derzeit sowohl den Konsum privater Haushalte einschränkt, wie auch den Unternehmen Raum für mehr Investitionen nimmt, muss rasch in Angriff genommen werden“, so Thomas. Die geplante Steuerreform gehe daher in die richtige Richtung, erklärt EcoAustria.

Bei einem weiteren zentralen Projekt der Bundesregierung sieht der Wissenschafter noch offene Fragen, die es im Sinne der Planungssicherheit rasch zu klären gilt. Dies betrifft unter anderem die CO2-Bepreisung, bei der eine Doppelbelastung für Unternehmen, die Emissionszertifikathandel erfasst sind, zu vermeiden ist. „Bei der CO2-Bepreisung für Verkehr und Gebäude müssen die klimapolitischen Instrumente so gewählt werden, dass die Klimaziele treffsicher und kostengünstig erreicht werden. Dabei gilt es, die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs zu erhalten und nicht beabsichtigte soziale Nebenwirkungen zu vermeiden“, betont Tobias Thomas.

Knill: Regierungsprogramme in Umsetzung bringen
Eine grundsätzlich gute Basis dafür sieht Knill in Land und Bund. „Die neuen Regierungsprogramme – auf steirischer und Bundesebene – können eine gute Grundlage dafür sein, auch im konjunkturell schwierigen Fahrwasser einen klaren Kurs in Richtung Erhalt und Ausbau unserer Wettbewerbsfähigkeit einzuschlagen. Nun müssen die Programme im Sinne der Stärkung des Industrie- und Innovationsstandortes auch verwirklicht werden. 2020 muss das Jahr der Umsetzung werden“, fordert Knill.


 

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