Was braucht eine Region? IV-Sommerempfang 2019

Regionen brauchen Talente, ein solidies finanzielles Fundament und neue Strukturen

Franz Mayr-Melnhof-Saurau, Christoph Neumayer, Otmar Petschnig, Georg Knill, Genrot Pagger, Franz Kainersdorfer

Zu diesem Schluss kamen die drei Impulsgeber Johanna Pirker (TU Graz), Fabian Schnell (Avenir Suisse) und Tobias Thomas (EcoAustria). Über 700 Gäste aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Industrie waren der Einladung in die Seifenfabrik gefolgt. Georg Knill forderte in seiner Rede "das Ende des Schuldenmachens im öffentlichen Haushalt" sowie "die Schaffung von Einheiten, deren Größe durch die Funktionalität bestimmt ist – sogenannte „functional areas“." 

Bilder vom Sommerempfang Fotocredit: IV-Steiermark/Mathias Kniepeiss

 

Video vom Empfang: https://www.facebook.com/ivsteiermark/

Auszug aus der Rede von Georg Knill

Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Vor einer Region wie der Steiermark stehen viele Herausforderungen. Um sie erfolgreich meistern zu können, benötigen wir vor allem zwei Dinge: Erstens die Kraft politischer Ziele und zweitens Tempo.

Wenn wir uns heute in einem Jahr wieder treffen, haben wir drei Wahlgänge hinter uns - und die dazugehörenden Wahlkämpfe. Wir müssen aber heute aktiv die Zukunft gestalten – nicht erst nach der Landtagswahl 2020. Die Steiermark ist gut beraten, wenn sie sich von einem Wahlkampf nicht wertvolle Zeit rauben lässt. Wahlkampf darf deswegen nicht als Streit von Personen, Parteien oder gar Ideologien verstanden werden. Wahlkampf sollte ein Wettbewerb der besten Ideen sein.

Der Standort Österreich wurde in den vergangenen eineinhalb Jahren auf einen guten Weg gebracht. Diesen Weg dürfen wir nicht verlassen. Was wir dafür brauchen sind Politiker, die Verantwortung für langfristigen sozialen und wirtschaftlichen Erfolg des Landes übernehmen. Und das auf Bundes-, aber auch auf Landesebene! Wir erwarten uns Kooperation im Sinne des Landes – egal wie nahe oder weit die nächsten Wahlen sind. Für Klassenkampf fehlt uns Zeit und mir persönlich das Verständnis.

Wer eine Gewinnerregion im Zeitalter der Digitalisierung sein will, muss handlungswillig und handlungsfähig sein. Und das tagtäglich – trotz aller Widerstände. Aus tiefster Überzeugung und mit Begeisterung. Einem klaren Ziel, einer klaren Vision folgend.

Wir, die Industriellenvereinigung Steiermark, wir haben ein solches, klares Bild von unserer Region im Jahr 2025. Also eine Vorstellung von der Steiermark am Ende der kommenden Legislaturperiode. Es ist eine positive Vision für unser Land. Die Industrie spielt in diesem Bild eine zentrale Rolle - sie ist aber niemals Selbstzweck. Die Industrie schafft mit ihrem täglichen Handeln die Grundlage für Beschäftigung und Wohlstand. Heute, wie auch im Jahr 2025.

Wer eine Region entwickeln will, muss dabei Bildung und Jugend in den Mittelpunkt rücken. Bildungspolitik wird immer mehr zum zentralsten Teil der Standortpolitik. Das muss auch und gerade für das Industrieland Steiermark gelten.

Der renommierte Wirtschaftspublizist Wolf Lotter hat es beim Zukunftstag der SFG vor wenigen Tagen wunderbar auf den Punkt gebracht: „Wir brauchen ein Bildungssystem, das Menschen nicht als Ersatzteile für die Wirtschaft liefert. Wir brauchen ein Bildungssystem, das Menschen fördert, die unersetzbar sind.“ Besser kann man meiner Meinung nach die Herausforderung an unser Bildungssystem im Jahr 2019 nicht beschreiben. Ich bin zutiefst davon überzeugt: Die Maßnahme, die den kurzfristigsten und auch nachhaltigsten Einfluss auf unsere Schulen auslösen würde, ist der Wettbewerb. Und zwar auf Basis von transparenten Ergebnissen. Nichts beschleunigt am Weg zu guten Ergebnissen so, wie ein Vergleich mit den Besten. Die Landespolitik ist darüber hinaus gefordert, sich beim Bund für den laufenden Ausbau der technischen FH-Studiengänge und des HTL-Angebots in der Steiermark einzusetzen. Auch hier ist das Tempo der wesentliche Erfolgsfaktor. Nur mit den besten Technikerinnen und Technikern wird es möglich sein, den Erfolgsweg der Steiermark mittel- und langfristig fortzuführen.

Was wir ebenso benötigen sind zeitgemäße Strukturen in unserer Verwaltung. Es gilt dabei Einheiten zu schaffen, deren Größe durch die Funktionalität bestimmt ist – sogenannte „functional areas“. Gestalten wir die Steiermark modern und dynamisch. Stellen wir die Frage der Funktionalität in den Mittelpunkt. Was soll eine Region zu bestimmten Fragen leisten und wie ist sie für ein bestmögliches Erfüllen dieser Aufgabe zu definieren.

Die Antworten werden im Gesundheitsbereich anders aussehen als im Bereich der Bildung oder in Fragen des Arbeitsmarktes. Die so definierten Regionen werden jedenfalls anderes aussehen als sie das heute tun. Flexibler und effizienter. Einheiten funktionieren einfach besser, wenn sie eine gewisse Größe erreichen und einer gemeinsamen Strategie folgen. Das löst Skaleneffekte aus und sorgt für eine positive Dynamik. Dieses Prinzip gilt für Unternehmen, wie auch in der Verwaltung. Die Gemeinde- und Bezirksstrukturreform der Legislaturperiode 2010-2015 trägt ihre Früchte. Es ist aus unserer Sicht nun wichtig, den nächsten Schritt in der Strukturreform der Steiermark zu gehen. Es ist an der Zeit, die Leistungen für die Menschen in der Steiermark weiter auszubauen und dabei den öffentlichen Mitteleinsatz weiter zu optimieren.

Fangen wir dabei mit jenem Teil unseres Landes an, in dem der Hebel am größten ist: in den urbanen Zentren der steirischen Regionen und im Zentralraum Graz. Schaffen wir in Politik und Verwaltung das, was für Konsumenten, Arbeitnehmer, Unternehmer und Schüler schon lange gilt. Bilden wir auch in der Verwaltung das ab, was diese Zentren jeweils schon lange sind: ein gemeinsamer Lebensraum für Tausende Steirerinnen und Steirer.

Was die Region Steiermark dringend benötigt ist das Ende des Schuldenmachens im öffentlichen Haushalt. Sie braucht dafür keineswegs Verzicht, sie braucht dafür Effizienz. Und sie braucht am Weg dorthin eine Schuldenbremse als festen Bestandteil des Regierungsübereinkommens der Partner in der kommenden Landesregierung.

Die Steiermark ist eine der wunderbarsten Regionen auf dieser Erde. Wie wir wissen ist die Steiermark auch ein Land, das für Innovation steht. Beweisen wir die Innovationskraft der Steiermark durch eine Grundhaltung, die sich durch alle Lebensbereiche des Landes zieht.

Beweisen wir diese Kraft.

  • Durch das Schaffen von Freiräumen für junge Menschen.
  • Durch Innovationen in der Struktur unserer Verwaltung – setzen wir in Graz und den urbanen Zentren unserer Regionen fort, was wir 2015 mit den Strukturreformen begonnen haben.
  • Beweisen wir unsere Innovationskraft durch Transparenz und Wettbewerb im Bildungsbereich.
  • Durch die Nutzung der Digitalisierung weit über die Industrie hinaus.
  • Lassen Sie uns mutig sein, indem wir mit alten Gewohnheiten brechen. Insbesondere mit jener des Schuldenmachens.

Lassen Sie uns gemeinsam gestalten. Nutzen wir – als Politiker und Unternehmer – die vorhandenen Freiräume und Möglichkeiten. Und geben wir sie unserer Jugend.

Die Steiermark und Österreich brauchen eine Kultur des Ermöglichens. Weniger Verbote, mehr Ideen und mehr Raum für Innovation. Das bringt junge Talente weiter. Das bringt Unternehmen weiter. Und das bringt die Steiermark weiter. Was zählt sind eben nicht Abwarten und Taktieren, sondern Umsetzen und Gelingen.

Verlieren wir keine Zeit!
Vielen Dank!

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