Industrie als steirischer Jobmotor im Rekordjahr 2018

Der Beschäftigungszuwachs in der Steiermark von 3,2 Prozent ist der höchste seit 10 Jahren. Hauptverantwortlich dafür ist die Industrie, die nunmehr Arbeitgeber für 116.400 Menschen in der Steiermark ist. Der steirische IV-Präsident Georg Knill fordert von Politik und Sozialpartnern Lohnnebenkostensenkung, Vermeidung von „gold plating“ und Handeln mit Augenmaß in Zeiten schwächerer Konjunktur.

Die steirischen Industrieunternehmen waren 2018 der „Jobmotor“. Vier von zehn neuen Beschäftigungsverhältnissen in der Steiermark wurden laut einer aktuellen Untersuchung von Joanneum Research in der Industrie geschaffen. Während die Gesamtbeschäftigung um immerhin 3,2 Prozent stieg, erhöhte sich die Beschäftigung in der Produktion um mehr als 5 Prozent. Insgesamt waren 2018 im Jahresschnitt 7.534 Menschen mehr in steirischen Industriebetrieben beschäftigt als im Jahr zuvor. Damit konnte die Entwicklung des Jahres 2017 nicht nur fortgeschrieben, sondern sogar verstärkt werden. Da lag die Erhöhung der Gesamtbeschäftigung bei 2,5 Prozent und die im produzierenden Sektor bei 3,8 Prozent.

In Summe waren im Vorjahr 116.400 Beschäftigte direkt in der Industrie tätig – bei insgesamt 512.400 unselbständigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in der Steiermark.

Technologieintensive Unternehmen schaffen die meisten Jobs
Positiv fällt auf, dass gerade in technologieintensiven Bereichen die meisten neuen Jobs geschaffen werden können. Den stärksten Anteil an der Beschäftigungssteigerung 2018 innerhalb der Industrie hatte der Fahrzeugbau, gefolgt vom Maschinenbau und der Metallerzeugung und -bearbeitung – also jene Branchen, die zuletzt auch durch hohe Investitionen in der Steiermark auffielen. Diese Entwicklungen bestätigen Studien der steirischen Industriellenvereinigung, wonach Automatisierungstechnologie und Digitalisierung keineswegs im Widerspruch zu Investitionstätigkeit und Jobaufbau stehen.

Industrie sorgt auch für Beschäftigungsimpulse bei Dienstleistern
Die Jobzuwächse im produzierenden Sektor sorgen auch für starke Impulse für die Dienstleistungsunternehmen. Dort gab es einen Zuwachs von 7.523 Beschäftigungsverhältnissen. Beispielsweise im industrienahen Bereich „Information und Kommunikation“ (IKT), der um 7,1 Prozent zulegte. In den letzten 10 Jahren ist die Beschäftigung im IKT-Bereich und im ebenfalls eng mit der Industrie verbundenen Segment der wissenschaftlich-technischen Dienstleistungen sogar um 45,2 Prozent gewachsen.

Stärkster Zuwachs seit dem Krisenjahr 2008
Die Zahlen dokumentieren die stärkste Ausweitung der unselbständigen Beschäftigung in der Steiermark nach der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008. Ersichtlich wird dabei die wichtige Multiplikator-Funktion der Industrie und ihrer Leitbetriebe für die gesamte Steiermark. Erfolge der exportorientierten Industrie auf den Weltmärkten machten letztlich den branchenübergreifenden Jobaufbau in der Steiermark möglich.

IV-Präsident Knill: „Beschäftigungssteigerungen wie 2018 nicht die neue Normalität“
Der steirische IV-Präsident Georg Knill warnt aber davor, aus dieser erfreulichen Bilanz abzuleiten, dass es auch in den kommenden Jahren so weitergehen werde: „Es muss der Politik auf Bundes- und Landesebene, aber auch den Sozialpartnern, bewusst sein, dass Beschäftigungssteigerungen, wie sie im Vorjahr möglich waren, nicht die Normalität darstellen. Sie waren das Ergebnis der erfolgreichen Bemühungen unserer Unternehmen, von der guten internationalen Konjunktur zu profitieren.“ Da die Konjunktur nun wieder schwächer wird, ist ein Gegensteuern unbedingt notwendig, um das Niveau halten zu können.

Kollektivvertragsabschlüsse als schwere Bürde
Konkret nennt Knill die dringend nötige Senkung der Lohnnebenkosten, allen voran die Reduktion des Beitrags zum Insolvenzentgeltfonds und die Reform des Familienlastenausgleichsfonds. Darüber hinaus ist für Knill die Vermeidung zusätzlicher Belastungen, etwa durch „gold plating“ von EU-Richtlinien, wie beispielsweise jener zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, Gebot der Stunde. „Wenn diese Richtlinie einen Vaterschaftsurlaub von 10 Tagen vorsieht ist nicht nachvollziehbar, warum wir in Österreich über ein ganzes Monat sprechen.“, sagt Knill.

Der steirische IV-Präsident weist darüber hinaus darauf hin, dass die hohen Kollektivvertragsabschlüsse der letzten beiden Jahre „eine schwere Bürde für die kommenden Jahre mit schwächere Konjunktur, sinkender Ertragslage und damit auch geringerer Investitions- und Expansionsmöglichkeit“ darstellen.

„Wenn Politik und Arbeitnehmervertreter von Unternehmen erwarten, auch unter wirtschaftlich schwierigeren Bedingungen neue Arbeitsplätze zu schaffen, sind sie in ihrer Mitverantwortung für den Produktionsstandort Österreich gefordert.“, so der IV-Steiermark Präsident.

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