Raiffeisen Konjunkturgespräch:„Erholung wandelt sich zum Aufschwung“

Das Konjunkturgespräch der Raiffeisen Landesbank Steiermark ist für viele Meinungsbildner aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft der Fixpunkt, wenn es um den wirtschaftliche Ausblick geht. Seit vielen Jahren ist die IV-Steiermark Partner der Veranstaltung. IV-Chefökonom Christian Helmenstein gab auch in diesem Jahr einen Einblick in die aktuellsten Wirtschaftsdaten und IV-Steiermark Präsident Georg Knill diskutierte u.a. mit voestalpine CEO Wolfgang Eder und AK-Steiermark Präsident Josef Pesserl über wichtige Standortfaktoren.

(v.l.): IV-Ökonom Christian Helmenstein, Raiffeisen-General Martin Schaller, Wolfgang Eder/Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG, Arbeiterkammer-Präsident Josef Pesserl, IV Stmk.-Präsident Georg Knill

Das Raiffeisen Konjunkturgespräch war keine Veranstaltung für Pessimisten. Denn viele Daten weisen nach der konjunkturellen Erholung der letzten Monate auf einen nachhaltigen globalen Aufschwung hin. Auch die Daten für Österreich stimmen zuversichtlich. Zur Digitalisierung als eine der wesentlichen Herausforderungen der nächsten Jahre waren sich die Diskutanten aus Wirtschaft aber auch Arbeitnehmervertretung einig: Mit einem Schulterschluss würden die daraus entstehenden Chancen vor den Gefahren deutlich überwiegen. Die Hauptredner waren Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG, IV-Stmk.-Präsident Georg Knill und Ökonom Christian Helmenstein (beide Industriellenvereinigung - IV), Arbeiterkammer-Präsident Josef Pesserl und Raiffeisen-Generaldirektor Martin Schaller.

Helmenstein: „Für Wunder kann man beten, für Entwicklung muss man arbeiten.“
„Wir erleben global, aber auch in Österreich einen deutlichen Zuwachs bei den Investitionen“, bestätigte IV-Chefökonom Helmenstein, „und das zeigt, dass die Unternehmen wieder Vertrauen in die Zukunft gewinnen.“ Für Österreichs Wirtschaft bescheinigte Helmenstein ein Wachstum von bis zu 2 Prozent in 2017. „Wenn die Politik bei der Standortentwicklung aktiver wäre, könnten wir auf weitere Sicht sogar 2,5 Prozent erreichen“, präzisierte Helmenstein. Was die möglichen Abschottungstendenzen der USA unter Donald Trump betrifft, stellt Helmenstein fest: „Die USA sind in so vielen Wirtschafts- und Forschungsbereichen mit anderen Staaten vernetzt, dass eine Abschottung für das Land einen enormen Schaden anrichten würde. Das wird der Trump-Administration mehr und mehr bewusst.“ Als einen zentralen Zukunftsbereich sieht Helmenstein die Digitalisierung, für deren Weiterentwicklung wir hart arbeiten müssten. „Denn nur für Wunder kann man beten.“

Eder: Mut zur Veränderung in der europäischen Stahlindustrie notwendig
voestalpine-Chef Eder skizzierte die Entwicklung des einstigen staatlichen Stahlkonzerns zum jetzt weltweit tätigen Technologie- und Industriegüterkonzern als unausweichlich. „Wir haben heute in Europa im globalen Vergleich die höchsten Kosten und gleichzeitig ein Stahl-Überangebot von rund 40 Millionen Tonnen. Wenn man sich da nicht auf Qualität und innovative Spezialprodukte konzentriert, kann man schwer bestehen.“ Eder kritisierte, dass diese Überkapazität in einigen europäischen Ländern – etwa Italien oder Großbritannien - auch durch die staatliche Subventionierung von Stahlbetrieben gefördert wird. „Diese Subventionen an unrentable Betriebe kosten enorm viel Geld, verzögern nur letztlich unausweichliche Strukturbereinigungsmaßnahmen, d.h. helfen am Ende auch den Beschäftigten nicht. Es wäre der Mut angebracht, stattdessen in Innovation und Weiterentwicklung zu investieren und damit den Menschen eine langfristige Perspektive zu geben.“

Knill: Qualität und Einsatz heimischer Arbeitnehmer sind wichtige Standortfaktoren
„Der Erfolg unserer Betriebe hängt stark mit dem hohen Engagement und dem Know-how der Menschen in der Steiermark zusammen. Beide Faktoren sind derzeit unser großes Plus“, bekräftige IV-Präsident Knill auf die Frage, was wesentliche Stärken des Wirtschaftsstandortes Steiermark sind. Ein Erfolgskriterium sei eine funktionierende Sozialpartnerschaft, wobei er diese vor allem direkt in den Betrieben als am sinnvollsten und wirkungsvollsten bezeichnete. Kritisch  äußerte sich der IV-Präsident gegenüber „Gemeinwohl-Ideologien“, denn Erfolg muss letztlich erarbeitet werden. Zum Verhältnis zu AK-Präsident Pesserl meinte er: „Wir haben bei manchen Themen durchaus andere Meinungen, aber wir diskutieren das konstruktiv aus und richten uns nichts über die Medien aus.“

Pesserl: Digitalisierung gemeinsam anpacken
Deutlich mehr Chancen als Gefahren sieht der steirische AK-Präsident Pesserl: „Wir müssen bei diesen Entwicklungen vorne dabei sein, um Arbeitsplätze zu schaffen. Dazu braucht es eine Kraftanstrengung, sowohl von den Betrieben als auch von der Arbeitnehmer-Vertretung“. Auch Pesserl sieht ein gutes Verhältnis zur Vertretung der Industrie: „Nur gemeinsam können wir erfolgreich sein und Beschäftigung in der Steiermark sichern.“

Schaller: Chancen in den Vordergrund stellen
Eine Lanze für eine zuversichtliche Grundhaltung brach Raiffeisen-Generaldirektor Schaller: „Wenn die Unternehmer nicht an die Zukunft glauben würden und wir Banken nicht an die Unternehmer, würde keine einzige Investition getätigt und kein einziger Kredit vergeben werden.“ Schaller bestätigte das Anziehen der Investitionen, immerhin würden bei Raiffeisen Steiermark mittlerweile 10 Millionen Euro täglich an frischen Finanzierungen ermöglicht. In Punkto Digitalisierung sei Raiffeisen mit dem neuen Geschäftsmodell „Digitale Regionalbank“ bestens aufgestellt, denn damit würde die regionale Stärke mit modernen digitalen Services verbunden werden.

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