Industrie unterstützt erste „digitale“ Klasse der Praxis-NMS

Individuelle, an den jeweiligen Entwicklungsstand angepasste Lernangebote für jeden Schüler und jede Schülerin bereitzustellen ist ein wichtiges Anliegen moderner Pädagogik. Digitale Tools sind dabei eine große Hilfe. Mit Unterstützung durch die Industriellenvereinigung Steiermark (IV) ging mit Beginn des Schuljahres ein Pilotprojekt an der Praxis-NMS der Pädagogischen Hochschule Steiermark an den Start, in das alle Beteiligten hohe Erwartungen setzen.

Digitale Klasse der Praxis-NMS

Die Digitalisierung hält Einzug in unseren Alltag und bietet auch für Schulen neue Formen des Lernens und Lehrens. Im Mai 2017 zeigte die IV-Steiermark im Rahmen der Veranstaltung „DigiTALENTE Styria“ die Möglichkeiten von Digitalisierung im Klassenzimmer auf. „Wir wollten im schulischen Umfeld Bewusstsein schaffen für den Megatrend der Digitalisierung, der nicht nur industrielle Prozesse verändert, sondern auch sukzessive in unser Bildungssystem Einzug hält und dort die Qualität der Pädagogik vorantreiben kann“, erklärt Gernot Pagger, Geschäftsführer der IV-Steiermark.

Pilotprojekt gestartet
In der Praxis NMS der Pädagogischen Hochschule Steiermark unterstützt die IV-Steiermark ein Projekt, das für Schüler der ersten und zweiten Klassen eine flexible Eingangsstufe mithilfe digitaler Tools vorsieht. Der Lehrplan für diese Schulstufen wurde für einen digitalen Unterricht aufbereitet und ist seit Schulstart in der Umsetzung. 20 Schüler   werden bereits digital unterrichtet und gefördert, die Erkenntnisse werden anderen Schulen zur Verfügung gestellt „Digitalisierung heißt Individualisierung. Gerade für Kinder und Jugendliche, die sich täglich Wissen aneignen und dabei ganz unterschiedliche Bedürfnisse haben, birgt dieser Schritt enormes Potenzial. Die Praxis NMS geht neue Wege und wir freuen uns unterstützen zu können“, so Pagger.

Individueller Lernerfolg
Alle Schüler der Klasse absolvieren Module in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch. Ausgelegt ist jedes Modul für sechs Wochen. Digital unterstützt werden die Lerninhalte auf den Lernfortschritt jedes einzelnen Jugendlichen abgestimmt, die gezielten Impulseinheiten durch Pädagogen ermöglichen einen neuen Zugang zum Lernen. Dank intensivem Monitoring kann gewährleistet werden, dass jene, die schneller lernen, bereits früher in das Modul 2 einsteigen können, während jene, die mehr Zeit benötigen, diese auch bekommen. Die Input- und Übungsphasen werden vom Lehrpersonal an den Wissensstand angepasst. Die ständige Begleitung durch die Lehrperson sowie die digitale Aufzeichnung – die Jugendlichen arbeiten mit Tablets – ermöglichen ein individuelles Tempo, einen individuellen Lernprozess sowie maßgeschneiderte Förderung. Die digitalen „Helfer“ unterstützen vor allem auch das Lehrpersonal: Ein Schülerprofil zeigt auf, wo Stärken und wo Schwächen liegen, auf die mit maßgeschneiderten Angeboten eingegangen wird. Zudem können je nach Lernerfolg den Jugendlichen neue Rollen zugedacht werden. Aus dem Lernenden kann also zum Beispiel ein Erklärer werden, der das Wissen an andere weitergibt.

„Die Unterstützung durch die IV-Steiermark erweitert das Spektrum unserer Möglichkeiten beim Einsatz digital Lernhilfen“, freut sich PHSt-Rektorin Elgrid Messner. „Davon profitieren nicht nur die Schülerinnen und Schüler unserer Praxis NMS, sondern in hohem Maß auch die Studierenden. Medienpädagogik und digitale Kompetenz sind ein zentraler profilbildender Schwerpunkt der Pädagogischen Hochschule Steiermark, der permanent weiterentwickelt wird, um mit den Innovationen in diesem Bereich Schritt zu halten. Mit diesem Pilotprojekt hoffen wir auf einen echten Produktivitätsfortschritt‘, was die Individualisierung des Unterrichts betrifft.“ Denn, so Messner: „Die zunehmende Heterogenität in den Klassenzimmern und die Erfordernisse der Inklusion stellen für Lehrerinnen und Lehrer eine echte Herausforderung dar, die sie oft an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit bringt. Es ist manchmal schier unmöglich, mit den derzeit vorhandenen Zeit- und Personalressourcen allen unterschiedlichen Schülerbedürfnissen gerecht zu werden – da hoffen wir sehr auf die Möglichkeiten, die der digital unterstützte, individualisierte Unterricht bietet. Das Projekt wird daher genau evaluiert; alles, was sich daran bewährt, wird unverzüglich in unsere Aus-, Fort- und Weiterbildung einfließen.“

Auch die Leiterin der Praxis-NMS Andrea Wagner, sieht im Pilotprojekt große Chancen für einen Qualitätssprung im individualisierten Unterricht: „Nicht erst seit der Hattie-Studie wissen wir, dass ein zentraler Faktor gelingenden Unterrichts darin liegt, dass der Lehrer und die Lehrerin sich in den einzelnen Schüler hineinversetzt und das Lernen aus dessen individueller Sicht betrachtet. Die digital erstellten Lernfortschrittsprofile sind dabei eine wertvolle Hilfe und sparen Zeit, die von der Lehrperson in die maßgeschneiderte Förderung investiert werden kann.“

Mehrwert Digitalisierung
„Es freut uns besonders, dass wir mit unserer Initiative „DigiTALENTE“ dazu beitragen können, den schulischen Alltag noch stärker an den Talenten junger Menschen zu orientieren und sie so optimal auf ihre Zukunft vorzubereiten. Als Industrie ist uns aber auch die Ausbildung der Pädagogen ein großes Anliegen. Die Studierenden an der Praxis NMS erleben hier bereits in der Ausbildung, wie digitale Tools – insbesondere Softwarelösungen – sowohl zur Wissensvermittlung, aber auch in der Verwaltung – eingesetzt werden können“, so Pagger.

IV-Iconiv-positionen

Neueste Ausgabe lesen
iv-exklusiv Bild