Mit Zuversicht sind wir stärker als jede Krise!

IV-Steiermark Präsident Stefan Stolitzka eröffnete die Ordentliche Vollversammlung der Industriellenvereinigung Steiermark (IV) mit den Themen Digitalisierung und dem Beitrag der Industrie als Teil der Lösung zu Klimafragen.

Das Präsidium der IV-Steiermark mit Sigmar Gabriel

In Richtung Landes- wie Bundespolitik adressiert Stolitzka: „Wir benötigen faktenbasierte Entscheidungsfindungen“ und  weiter: „Es muss uns bewusst sein, dass die Industrie und ihre Technologien die zentralen Lösungen und die zentralen Stellhebel in der Gestaltung der Zukunft sind Dies gilt ganz besonders in Fragen der Klimapolitik.“

Zu Europa und seinen Allianzen sprach als Gast der IV-Steiermark Sigmar Gabriel (deutscher Bundesaußenminister a.D.) „Europa wird in seiner Rolle als Zentrum der Welt verdrängt. Wir müssen dafür sorgen, dass wir als Europa ernstgenommen werden, andernfalls haben wir auch keine Allianzen mehr. Ein Weg zu neuer Stärke führt über Technologien, über Investitionen in Digitalisierung und einen attraktiven Binnenmarkt“, mahnt der profunde Europa-Kenner.

***Auszug Rede an die Vollversammlung***

Präsident Stefan Stolitzka eröffnet vor 150 Mitgliedern mit den Worten: „Mich begeistert täglich der unternehmerische Weitblick und der Mut - da war auch in den letzten Monaten immer eine enorme Zuversicht spürbar! Vielleicht ist das typisch steirisch und wenn ja, übrigens bin ich mir da sicher, können wir stolz darauf sein, denn mit Zuversicht sind wir stärker als jede Krise!“

Die letzten Monate haben gezeigt, die steirische Industrie ist am absolut richtigen Weg! Aber wir haben auch keine Zeit zu verlieren! Es geht um unseren Standort, den Erfolg unserer Mitgliedsbetriebe in der Welt und vor allem um die Menschen in der Steiermark! Wir als Region müssen jetzt die richtigen Rahmendbedingungen klug auf den Weg bringen. Unser ausschließlicher Fokus ist die Zukunftsfähigkeit und die Zukunft unserer Anlaufhäfen. Die Industrie in der Steiermark und so auch die Industriellenvereinigung bewegen drei strategische Leitthemen: „Vertrauen“, „Digitalisierung“ und „Investitionen“, eingebettet in die Bewältigung der Klimakrise.

Vertrauen ist Ausdruck einer intakten Beziehung – im Privaten wie im Beruf, es ist die Grundlage eines zukunftsgerichteten Miteinanders in der Steiermark. Die vergangenen Monate haben es bewiesen: Die Steiermark kann auf die Stärke und in die Zukunftsfähigkeit der steirischen Industrie vertrauen. Die Landespolitik kann in die Industrie als Arbeitgeber und Innovationsmotor vertrauen. Wir, die Industrie – wir vertrauen auf standortpolitische Rahmenbedingungen, durch die wir unsere Position im globalen Wettbewerb weiter stärken können. Dazu gehören jedenfalls eine herausragende wissenschaftliche Basis und hervorragend ausgebildete und motivierte Menschen.

Wir benötigen auch zwei wesentliche Grundhaltungen bzw. Grundprinzipien:

Erstens: Entscheidungsfindungen in der Landes- und der Bundespolitik müssen faktenbasiert sein. Denken wir nur an das bevorstehende Klimaschutzgesetz. Und zweitens: Es muss uns bewusst sein, dass die Industrie und ihre Technologien die zentralen Lösungen und die zentralen Stellhebel in der Gestaltung der Zukunft sind. Dies gilt ganz besonders in Fragen der Klimapolitik. Deshalb benötigen wir unbedingt eine integrierte Klima- und Industriepolitik. Darauf möchte ich noch kurz eingehen: Wir, die Industrie sind durch unsere intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit, durch effiziente Produkte und Prozesse bereits wesentlicher Teil der Lösung in der globalen Klimaherausforderung! Praktisch nirgendwo auf der Welt wird so energieeffizient produziert, wie in der Steiermark.

Die Klimafrage kennt keine Grenzen. Wir wirken von hier aus in die ganze Welt. Unendlich viele unserer Produkte und Prozesse sparen durch ihre weltweite Anwendung ein 100faches unserer Emissionen. Die Menschen können darauf vertrauen, dass wir in der Steiermark und von hier aus für die gesamte Welt unsere Beiträge leisten. Ja und mehr noch! Die Industrie ist die einzige Kraft, durch die wir die Klimaherausforderung bewältigen können. Wer, wenn nicht die Industrie, liefert bereits und wird die Technologien liefern, die es dazu braucht?

Wir sollten diese Fähigkeit der Industrie als Chance, und in der Steiermark als Standortvorteil verstehen. Wir müssen Betrieben gerade jetzt den Rahmen garantieren, den sie für die nun anstehenden Investitionen benötigen, um diese Stärke global weiter ausbauen zu können. Es wäre falsch, wenn die Politik Technologien vorgibt. So dass wir uns unserer Stärken letztendlich berauben und den Erfolg - für die Steiermark und für das Klima - verhindern. Die Industrie und auch die Industriellenvereinigung stehen voll und ganz hinter dem Kampf gegen den Klimawandel. Wenn wir unsere vorhandenen Stärken einbringen können, werden wir die richtigen Lösungen sicher schaffen. Mein Appell richtet sich hier ganz klar an die Politik: Geben Sie uns dafür Ihr Vertrauen statt Verbote. Geben Sie uns Technologieoffenheit bei der Suche nach Lösungen, und einen langfristig planbaren Rahmen für Investitionen.

Vertrauen ist auch die Basis für klare Worte und eindeutige Botschaften: Da sind Stromschnellen und Unwegsamkeiten, die wir nur gemeinsam umschiffen werden. Und dazu gehören jedenfalls die beiden weiteren Schwerpunkte, auf die wir uns im Präsidium verständigt haben: Digitalisierung und Investitionen. Durch die Pandemie hat die Digitalisierung deutlich an Dynamik zugelegt. Mit ihr hat der Paradigmenwechsel der Wirtschaft und der Gesellschaft enorme Fahrt aufgenommen. Die Anforderungen an Unternehmen steigen damit enorm – und mit ihnen die Anforderungen an Standorte. Ohne digitale Infrastruktur und ohne „digital skills“ überlassen wir die Chancen anderen. Ohne Qualifikation und Infrastruktur keine Digitalisierung. Ohne Digitalisierung keine Zukunftsfähigkeit, hier gibt es keinen Spielraum, das ist einfach so.
Die Anforderungen von unseren Unternehmen an die digitale Infrastruktur steigern sich binnen 3 Jahren um den Faktor 2,5. Die Steiermark steht in einem rasend schnellen Wettbewerb und muss sich mit den besten und attraktivsten Regionen der Welt messen (können), besonders in Asien. Ein Wettbewerb der Standorte. Ein Wettbewerb um Investitionen von Betrieben.
Es sind meistens zutiefst rationale Gründe, die über den Ort, an dem investiert wird, entscheiden. Auch die Steiermark und Österreich müssen sich in Sachen Dateninfrastruktur einem faktenbasierten Vergleich von Leistungsfähigkeit stellen und sich mit anderen Regionen messen und sie übertreffen. Derzeit liegt Österreich mit dem Glasfaseranteil (3,3%) am Breitband laut Statista, dem deutschen Online-Portal für Statistik, in Europa an drittletzter Stelle. Der OECD Schnitt ist 30%.

Wir müssen uns an den Besten messen. Die Landesregierung hat ein gutes Arbeitsprogramm und mit ReStart auch einen richtigen Wirtschafts- und Industrieplan für die Steiermark. Es sind aber mehr Mittel im Landeshaushalt, mit Bund und EU sicherzustellen, um die Umsetzung zügig einzuleiten Wenn wir alle Einigkeit darüber haben und sagen: „Wir wollen das unbedingt“, statt „Ja aber“ dann schaffen wir das auch. Nun heißt es wirklich umsetzen! – Wir ruhen uns nicht auf unseren Erfolgen aus.

Entscheidend ist der unbedingte Wille mutig unbekanntes Terrain zu betreten und die Führung zu übernehmen. Nutzen wir die Erfolgs-Dynamik! Unsere Stärken gilt es auszubauen – wir wollen dabei auch den Mut haben, die weltweite Spitze breiter zu erreichen - und entsprechend in großen Dimensionen denken, planen und agieren.

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