Konjunkturumfrage der IV-Steiermark: Standortpolitischer Rahmen entscheidet über weitere Entwicklung – Industrie fährt derzeit auf Sicht

Rasch klare Regeln für dritte Phase der Kurzarbeit nötig. Alleine schon die Diskussion über Arbeitszeitverkürzung gefährdet Arbeitsplätze.

Die Konjunkturumfrage der IV-Steiermark für das zweite Quartal 2020 dokumentiert die volle Wucht, mit der die steirische Industrie von der Corona-Pandemie getroffen wurde. 52 bzw. 46 Prozent der Unternehmen meldeten im Juni eine schlechte Geschäftslage und schwache Auftragsbestände. Und dennoch macht sich gegenüber den letzten Monaten eine leichte Verbesserung der Gesamteinschätzung der steirischen Industrie bemerkbar. „Der durch die Corona-Krise bedingte absolute Tiefpunkt liegt aus Sicht der steirischen Industrieunternehmen hinter uns“, analysiert IV-Steiermark-Geschäftsführer Gernot Pagger. Gleichzeitig sieht er aber große Unwägbarkeiten durch die ungewisse weltwirtschaftliche Lage, aber auch die kaum vorhersehbare gesundheitliche Entwicklung. „Wir fahren weiter auf Sicht. Die Stimmungsindikatoren zeigen zwar nach oben, ob die Entwicklung tragfähig ist, wird sich aber erst nach dem Sommer zeigen“, so Pagger.

Wichtig sei es daher, in den unmittelbar beeinflussbaren Bereichen höchstmögliche Planungssicherheit herzustellen. Da brauche es vor allem klare Regeln für die Phase 3 der Kurzarbeit im Herbst: „Die Kurzarbeit ist ein wirkungsvolles Instrument, um Menschen in Beschäftigung zu halten. Unternehmen, die an eine absehbare Verbesserung der Lage glauben, wollen es auch weiterhin nutzen. Das funktioniert aber nur, wenn die Rahmenbedingungen dafür attraktiv und bald bekannt sind“, appelliert der IV-Steiermark-Geschäftsführer an die Bundesregierung, rasch das Kurzarbeits-Regelwerk für die Zeit nach dem September zu fixieren.

Zeit für Qualifizierung nutzen
Die COVID-19-Pandemie hat in vielen für die steirische Industrie relevanten Märkte Trends beschleunigt, denen sich nunmehr auch der Industriestandort Steiermark ohne weiteren Zeitverlust zu stellen hat. Die Industrie ist permanent im Wandel, auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen und forscht auch in Krisenzeiten an neuen Technologien. Wesentlich ist, dass auch vorhandene und in den Aus- und Weiterbildungsstätten angebotene Qualifikationen diese Entwicklung nachvollziehen und so dieser Wandel von der Steiermark aus gestaltbar bleibt. „Wir müssen Krisenzeiten für Qualifizierungsmaßnahmen in Zukunftsfeldern nutzen und so die Steiermark fit für die Zeit nach Corona machen“, unterstreicht Pagger auch die Forderung, Kurzarbeitszeiten besser für Qualifizierung nutzen zu können.

Sollte die krisenhafte Entwicklung allerdings weit in das Jahr 2021 hineinreichen, würde es aus Sicht der IV-Steiermark ohne Anpassungen bei Personalstand nicht gehen. Die in der Umfrage abgebildete Personalplanung der Unternehmen zeigt, dass jedes vierte Unternehmen mit reduziertem Personalstand bis zum Herbst plant.

Attraktiv für Investitionen sein
Einer Verkürzung der Arbeitszeit erteilt die IV-Steiermark eine klare Absage. „Aktuell verschieben sich globale Wertschöpfungsketten. Regionen, die attraktiv für Investitionen sind, können sich gerade jetzt Vorteile für die kommenden Jahre und Jahrzehnte verschaffen. Alleine schon die Diskussion über Belastungen und Verteuerungen, egal ob als Viertagewoche oder als 6. Urlaubswoche getarnt sind, sind dabei kontraproduktiv. Sie verhindern genau die Investitionen, die wir benötigen, um Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen.“, hebt Pagger hervor und ergänzt: „Menschen mit dem Glauben, dass Arbeitsplätze einfach aufgeteilt werden können, Hoffnung zu machen, ist schlichtweg unfair.“

 

Die IV-Konjunkturumfrage: Zur Befragungsmethode
An der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Steiermark beteiligten sich 53 Unternehmen mit 45.103 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt folgende Methode zur Anwendung: den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.

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