Hochkonjunkturphase wird verlassen Digitalisierung als Investitionstreiber

Die steirische Konjunkturdynamik nimmt ab – unbeeindruckt davon bleiben weitgehend die Personalstrategien, die nach wie vor vom Fachkräftemangel geprägt sind. Globalen Trends gilt es mit Entlastung und erhöhter Planungssicherheit am Standort entgegenzutreten. Rekordinvestitionen der steirischen Industrie sollen Vorbildwirkung für Landespolitik haben.

Präsident Georg Knill mit Geschäftsführer Gernot Pagger

Die IV-Konjunkturumfrage unter 50 Betrieben mit 31.000 Beschäftigten für das vierte Quartal 2018 bestätigt die prognostizierte internationale Abschwächung der wirtschaftlichen Entwicklung auch für die Steiermark. Zwar wurde die Geschäftslage zum Jahreswechsel mehrheitlich als gut bewertet, das Niveau des ersten Halbjahres 2018 kann jedoch nicht gehalten werden (Index von +71 zur Jahresmitte auf +52). Ähnlich das Bild der Exporte: „Der Index der Auftragsbestände, die für den Export bestimmt sind, fällt von zuletzt +63 auf nunmehr +48. Das ist der niedrigste Wert seit zwei Jahren und ein Indikator für das schwieriger werdende globale Umfeld, in dem sich die exportorientierte steirische Industrie zu bewegen hat.“, betont Gernot Pagger, Geschäftsführer der IV-Steiermark.

Dynamik nimmt ab, Personalstand weiter zu
Der Blick auf die kommenden drei Monate zeigt, dass sich das Konjunkturtempo weiter verlangsamen wird. Für die geplante Produktionstätigkeit im ersten Quartal 2018 berechnet sich auf Basis der Umfrage ein Index von + 15, vor einem Jahr lag er noch bei +43. Der Rückgang der Dynamik in der Industrie führt jedoch nicht zu einem Personalabbau. Im Gegenteil: Mehr als ein Viertel (28 Prozent) der befragten Betriebe plant den Personalstand auszuweiten. 12 Prozent gehen von geringeren Personalzahlen in den kommenden Monaten aus. Für die IV-Steiermark ist die steigende Zahl an Unternehmen, die trotz schwierigerem Umfeld ihren Beschäftigtenstand ausbauen wollen (im Vorquartal waren es noch 22 Prozent) Beleg für den Mangel an Fachkräften in der steirischen Industrie.

Halbjahresausblick trübt sich ein
„Während die Auswirkungen der konjunkturellen Entwicklungen kurzfristig noch gut abgefedert werden können, ist die mittelfristige Prognose für das erste Halbjahr deutlich verhaltener.“, hebt Pagger hervor. Erstmals seit 2015 dreht der Index zur Bewertung der erwarteten Geschäftslage in sechs Monaten in den negativen Bereich (von zuletzt +13 auf nunmehr -8). Auch die Ertragssituation in sechs Monaten dreht deutlich und wird mit einem Index von -1 (zuletzt +22) negativ beurteilt.

Industrieinvestitionen verzeichnen 2018 neuerliches Plus
Die guten Konjunkturentwicklungen der vergangenen Jahre begünstigen das Investitionsverhalten steirischer Industriebetriebe. Nach dem Lösen eines regelrechten Investitionsrückstaus im Jahr 2016 mit außergewöhnlichem Wachstum der Bruttoanlageinvestitionen (damals +21 Prozent) und einer nochmaligen Erhöhung dieser Investitionstätigkeit 2017 (abermals +6,6 Prozent), konnte von den Experten des Joanneum Research für 2018 ein neuerlicher Investitionsrekord in der steirischen Industrie identifiziert werden. Die in Form einer von der IV-Steiermark beauftragten Studie vorliegenden Zahlen,

weisen ausgehend von dem hohen Niveau 2017 ein neuerliches Plus von 2,9 Prozent auf. Die steirische Industrie tätigte im Vorjahr Investitionen in der Höhe von 3,6 Mrd. Euro - mehr als in jedem anderen Jahr bisher.

Der Investitionszyklus 2016 bis 2018 wird von Joanneum Research als „außergewöhnlich stark“ eingeschätzt, nunmehr sei laut Studienautoren jedoch ein Abklingen zu erwarten

Hohe Investitionsdynamik über Branchen hinweg
Im Bereich „Herstellung von Waren“ verzeichneten 2018 die Teilsegmente Papier und Pappe (+4,64 Prozent), Metallerzeugnisse (+3,66 Prozent) sowie die Elektro- und Elektronikindustrie (+3,03 Prozent) die höchsten Steigerungen der Bruttoanlageinvestitionen. Mit rund 896 Millionen Euro wies die Elektro- und Elektronikindustrie das höchste Investitionsvolumen in der Steiermark aus. Eine neuerliche Steigerung verzeichnet auch der zuletzt sehr investitionsfreudige Fahrzeugbau. Nach einem Plus von 70 Prozent im Jahr 2016 und +10,6 Prozent 2017 wurde das hohe Niveau der Bruttoanlageinvestitionen auch 2018 gehalten und um weitere +0,6 Prozent auf 614 Millionen Euro gesteigert.

Digitalisierung als Investitionstreiber
Befragt nach ihrem konkreten Investitionsmotiv nennen steirische Industriebetriebe am häufigsten (nämlich in 42 Prozent aller Fälle) „Entwicklungen, welche von der Digitalisierung getrieben werden“. Ein Anteil, der sich sowohl vom nationalen Schnitt, als auch im europäischen Vergleich positiv abhebt. „Technologischer Wandel hat in der Vergangenheit stets Gewinner und Verlieren hervorgerufen. Regionen, in denen in die aktive Gestaltung des Wandels investiert wird, haben das Potential zur Gewinnerregion dieses Wandels zu werden. Investitionen in die Digitalisierung von Prozessen und Produkten steigern die Chancen der Steiermark, zur Gewinnerregion der Digitalisierung zu werden.“, gibt sich IV-Steiermark Präsident Georg Knill optimistisch.

Industrieinvestitionen sichern Wohlstand ab
Die im Jahr 2018 von der Industrie getätigten Bruttoanlageinvestitionen in der Höhe von 3,6 Milliarden Euro generieren einen ökonomischen Gesamteffekt von 2,4 Milliarden Euro in Form von direkter Nachfrage bei heimischen Unternehmen. Die Investitionen der steirischen Industrie tragen somit wesentlich zur Steigerung der Bruttowertschöpfung in Österreich und in der Steiermark bei. Daran unmittelbar geknüpft sind die Sicherung und der Ausbau von Beschäftigung in ganz Österreich: Insgesamt werden knapp 30.200 Personenjahre (selbstständig und unselbstständig; in VZÄ) in Österreich ausgelastet, rund die Hälfte davon in der Steiermark.

KöSt-Senkung: Entlastung als Gebot der Stunde
„Die Zunahme globaler Unsicherheit und die sich wieder abschwächende Konjunktur erhöhen die Notwendigkeit für wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen am Produktionsstandort Steiermark und Österreich - und die Notwendigkeit für ein möglichst hohes Maß an Planungssicherheit.“, hebt Knill den wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf hervor.

Mit der Senkung der Körperschaftssteuer konkretisiert Knill diesen Handlungsbedarf und betont, dass das Volumen der Steuersenkung eine spürbare Entlastung der Unternehmen bringen müsse. Im Sinne der Planungssicherheit und des in Form von Investitionen getätigten Vertrauensvorschusses der Unternehmen ist es wesentlich, dass die Reduktion noch im ersten Halbjahr 2019 beschlossen und spätestens 2021 in Kraft tritt.

Prioritäten im Landeshaushalt
Vom Land Steiermark wünscht sich die IV-Steiermark eine Priorisierung der Themen Wirtschaft und Wissenschaft auch im Landeshaushalt. Derzeit machen diese beiden Bereiche zusammen nicht einmal 2 Prozent der Ausgaben des Landes Steiermark aus. „Die Steiermark als lebenswerte Hochtechnologie-Region darf in Fragen der Forschung, der Technologie und in weiterer Folge auch der Beschäftigung nicht auf Mittelmaß abzielen! Vielmehr muss es die Landesregierung der Industrie gleichtun und den Rekordinvestitionen der Unternehmen Rekordinvestitionen in die Zukunft folgen lassen.“, fordert Knill.

 

 

Die IV-Konjunkturumfrage: Zur Befragungsmethode
An der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Steiermark beteiligten sich 50 Unternehmen mit rund 31.000 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt die folgende Methode zur Anwendung: Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.

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