Stärkefeldmatrix Steiermark 2018 präsentiert

Die Steiermark hat den Weg von einer effizienz- zu einer innovationsgetriebenen Ökonomie erfolgreich beschritten. Das belegt die aktuelle Studie „Stärkefeldmatrix Steiermark 2018“. Standortfaktoren, die über Innovationskraft und Exzellenz entscheiden, müssen gestärkt werden. „Die Landespolitik ist gefordert, forschungs- und technologieorientierte Leitbetriebe in der Steiermark zu unterstützen“, um diesen Vorsprung zu halten, so Georg Knill, Vorsitzender der innoregio styria und Präsident der IV-Steiermark, bei der Präsentation der Stärkefeldmatrix-Studie.

Download der Studie unter:https://docs.iv.at/index.php/s/XD8zNKQEscsAt8x

Beauftragt wurde die Studie „Stärkefeldmatrix Steiermark 2018“ von innoregio styria gemeinsam mit der Industriellenvereinigung (IV-Steiermark). Durchgeführt haben sie Joanneum Research (JR Policies) und Universität Graz (Zentrum für Entrepreneurship und angewandte BWL, Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte). Die Untersuchung enthält einerseits eine umfassende empirische Darstellung der Stärken der steirischen Wirtschaft, zudem wurden 69 Expertinnen und Experten aus steirischen Industrieunternehmen schriftlich befragt. „Ziel der Studie ist es, Grundlagen für Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes zu schaffen, genau zu analysieren, wo die Steiermark heute steht und wie sie sich erfolgreich weiterentwickeln kann,“ erklärt IV-Steiermark-Geschäftsführer Gernot Pagger.

Laut Studie bildet der produzierende Sektor mit einer ausgeprägten Technologie- und Innovationsorientierung, gepaart mit einer wachsenden Gruppe unternehmensnaher, wissensorientierter Dienstleister, das starke Zentrum der steirischen Wirtschaft. Die stärksten Branchen kommen dabei aus den klassischen Bereichen: Metallerzeugung und -verarbeitung, Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektrotechnik und Elektronik sowie Nahrungsmittel und der Bausektor.

Österreichweit liegt der Anteil des produzierenden Sektors an der gesamten Wertschöpfung bei 28,3 Prozent. Im Schnitt der EU-28 rangiert er bei 25 Prozent, Großbritannien erreicht 20,9 Prozent, die USA 20 Prozent. Die Steiermark ist mit einem Industrie-Wertschöpfungsanteil von 33,2 Prozent eine der industrie-intensivsten Regionen Europas. Inklusive der industrienahen Dienstleistungen (8,8 Prozent der steirischen Wertschöpfung), steigt der Anteil auf 42 Prozent. Im Bundesländervergleich teilt sich die Steiermark die Österreichspitze mit Oberösterreich und Vorarlberg, gefolgt von Kärnten, Niederösterreich und Tirol.

Krise sehr gut überstanden

Erfreulich: Insgesamt konnte die steirische Industrie die Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008 sehr gut überstehen. Gerade die hinsichtlich Wertschöpfung, Beschäftigung und Innovation für die Steiermark besonders relevanten Branchen erwiesen sich (dank hoher betrieblicher Investitionen zur Abfederung der Auswirkungen der Krise) als besonders widerstandsfähig. Außergewöhnlich dynamisch ist auch der im Vergleich kleine Pharmabereich. Beeindruckend hat sich zuletzt wieder der Fahrzeugbau entwickelt.

Studien-Coautor Thomas Krautzer (Professor für wirtschaftliche Standortfragen und Standortentwicklung, Leiter des Instituts für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte der Universität Graz) weist auf die hohe Bedeutung von Forschung & Entwicklung in der Steiermark hin. Gut 2,2 Milliarden Euro werden in F&E investiert (letzte verfügbare Zahlen aus 2015), fast 1,7 Milliarden davon entfallen auf die Unternehmen, etwas mehr als eine halbe Milliarde auf den öffentlichen Bereich.

Lobenswert ist, so das Studienergebnis, dass es in der Steiermark zwischen Unternehmen, Wissenschaft und öffentlicher Hand gemeinsame Ausrichtungen in zentralen Themenbereichen gibt.

10.440 Menschen sind in der betrieblichen F&E beschäftigt, im Jahr 2002 waren es weniger als die Hälfte (4.889). Krautzer: „Die Unternehmen haben Beschäftigung in und Ausgaben für F&E über die Krisenjahre hinweg überraschend stark ausgebaut, was auf ein hohes Bekenntnis zum Standort schließen lässt und die Basis der derzeitigen Investitionen bilden dürfte.“

Zusammengefasst heißt das: Das größte Stärkepotential der Steiermark liegt in einem stark F&E-getriebenen technologieorientierten produzierenden Sektor (begleitet von einem wachsenden Anteil wissensbasierter Dienstleistungen), der sich mit einer breiten Forschungslandschaft vernetzt und sich in den letzten Jahren durch ein hohes Innovationspotential ausgezeichnet hat. Auf die künftigen Entwicklungen rund um die sogenannte Digitalisierung sind die Unternehmen eingestellt und haben entsprechende technologische und strategische Anpassungen vorgenommen. Die großen Zukunftstechnologien – Stichworte Automatisierung, Sensorik und Regelungstechnik, Elektronik, Software-Technologie oder neue Werkstoffe – sind dabei von branchenübergreifender Bedeutung.

Eine besondere Herausforderung stellt in diesem Zusammenhang die Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dar – gelingt es nicht, das vielschichtige Problem zu lösen, wird es zum massiven Hemmschuh für die Zukunft des Standortes.

„Wir müssen die Bildungs- und Qualifikationsbasis der Steirerinnen und Steirer weiterentwickeln“, fordert Knill. Eine noch so ambitionierte Technologie-, Forschungs- und Innovationspolitik ohne begleitende Bildung- und Qualifizierungsstrategie gehe ins Leere, warnt er und fasst zusammen: „Zeitgemäße Berufsorientierungs-, Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen sind als Instrument moderner Standort- und Sozialpolitik zu verstehen und einzusetzen.“

„Die Wirtschaft unterstützende Ausgaben sind Investitionen in die Zukunft“

„Die Steiermark ist ein Wirtschaftsraum, dessen Strategie der einer ‚innovationsgetriebenen Ökonomie‘ sein muss“, fasst Knill die Ergebnisse der Studie zusammen. Die Professionalität und traditionelle Know-how- und Kapital-Intensität der Leitbetriebe dienen dabei als Sicherheitsnetz für die Region Steiermark, das aber nicht als Hängematte missverstanden werden dürfe.

Besorgt macht Knill die Entwicklung des Landesbudgets in diesem Bereich: „Das Budget des Wirtschaftsressorts wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgefahren. Das Wirtschaftsressort ist jenes, das den in Relation höchsten Beitrag zur ausgabenseitigen Korrektur im Landeshaushalt geleistet hat.“ Der Anteil des Bereichs Wirtschaft im Landesbudget beträgt gerade noch 0,88 Prozent. Für Soziales und Gesundheit würden hingegen über 50 Prozent der Landesmittel verwendet. Damit liege die Wirtschaft auch deutlich hinter der Landwirtschaft und Kultur, so der innoregio-Vorsitzende und IV-Steiermark Präsident.

Intelligente Budgetpolitik müsse aber zwischen Konsum und Investition unterscheiden, verlangt Knill: „Die Wirtschaft unterstützende Ausgaben sind Investitionen in die Zukunft.“

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