Sommerempfang: "Bleiben wir in Verbindung"

Der IV-Sommerempfang ist  alljährlicher Treffpunkt für Vertreter aus Politik, Industrie, Wissenschaft und Gesellschaft - allen voran Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer. Der Empfang stand in diesem Jahr unter dem Motto "Connections", das IV-Steiermark Präsident Georg Knill in seiner Rede ausführte: Es sei wichtiger denn je, „das Bewusstsein für das Gemeinsame weiterzuentwickeln und zu stärken“, sagte Knill.

IV-Steiermark Geschäftsführer Gernot Pagger gab einen Ausblick auf den Herbst. Mit "IVision 18 - Digital ist normal" wird die IV-Steiermark vom 24.September bis 19. Oktober Kinder und Jugendliche in den steirischen Regionen einladen, Innovation und Digitalisierung zu erleben. "Neu denken" zu fördern, steht dabei im Mittelpunkt. Dazu tourt ein IV-Innovations-Truck durch die Steiermark und macht in Deutschlandsberg, Köflach, Liezen, Knittelfeld, Leoben, Weiz, Leibnitz, Fürstelfeld und Graz Halt . Neben tausenden LEGO Steinen wird er auch eigene Coding- und Roboterworkshops mit an Bord haben. Schüler, Lehrlinge und Studenten könnten außerdem bei sogenannten InnoSprints unter Anleitung der TU Graz an innovativen Lösungen für Fragstellungen aus der steirischen Industrie arbeiten.

Auszug aus der Rede von Georg Knill, Präsident der IV-Steiermark anlässlich des IV-Sommerempfangs 2018

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann, meine sehr geehrten Damen und Herren,

als Sie das Kuvert mit der Einladung zum diesjährigen Sommerempfang geöffnet haben, haben Sie das Wort „Connections“, also Verbindungen, gelesen. Verbindungen – durchaus auch im Sinne von Beziehungen.

Wir haben „Connections“ als Thema gewählt, weil es wichtiger denn je ist, das Bewusstsein für das Gemeinsame weiterzuentwickeln und zu stärken.

Damit meinen wir uns alle. Alle Steirerinnen und Steirer, alle Österreicherinnen und Österreicher und letztlich auch alle Europäerinnen und Europäer. Uns alle, die einer freien und offenen Gesellschaft und Wirtschaft selbstbestimmt leben wollen.

Seit fünf Tagen hat Österreich zum dritten Mal den Ratsvorsitz der Europäischen Union inne. Ein Vorsitz, der die Verbindung der Menschen und Länder in Europa dringender zu prägen hat, als jeder andere zuvor.

Wir alle sind gefordert, den gesellschaftlichen Mehrwert der europäischen Union zu betonen und vorzuleben. Wir alle sind gefordert, Entwicklungen, die der europäischen Idee entgegenwirken, entschieden zu bekämpfen – ganz egal ob im Osten, Norden oder im Süden Europas oder vor der eigenen Haustüre. Wir alle sind gefordert, unsere Verbindung mit den anderen Nationen Europas zu intensivieren, konstruktiv auszurichten und nationale, kurzsichtige Interessen hintanzustellen.

Wir wollen die Steiermark, Österreich und Europa weiterentwickeln. Dazu benötigen wir die Verbindung zu und mit Ihnen, meine sehr geehrten Damen und Herren – wie auch jene mit unseren Partnern in der Steiermark und in der Welt.

Die steirische Industrie verbindet Menschen – Sie hören das immer wieder, aber wir können es nicht oft genug sagen – Tag für Tag 110.000 Menschen in der Steiermark. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Industrieunternehmen. Die Produkte der steirischen Industrie verbinden Menschen – weltweit.

Die Industrie verbindet die Steiermark mit der Welt und die Welt mit der Steiermark. So, wie es die vielen internationalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Betriebe tagtäglich unter Beweis stellen.

Die Industrie verbindet auch Wirtschaft und Wissenschaft. Sie haben auch dieses Faktum schon oft gehört und dennoch werden wir nicht müde zu wiederholen: 75 Prozent der F&E-Ausgaben in der Steiermark stammen von der Industrie. In gemeinsamen Forschungszentren, Forschungsprojekten, Dissertationen und vielen anderen Kooperationen gestalten Industrie und Wissenschaft die Zukunft.

Entscheidend ist dabei immer die Qualität unserer Verbindung, auf die wir uns verlassen können. Die Qualität einer Verbindung, die Qualität des gemeinsamen Tuns zeigt sich nicht in einer Zeit, in der Milch und Honig fließen und das Fortschreiben des Status quo des bestmögliche aller Zukunftsszenarien ist. Sie zeigt sich, wenn Belastungen auf die Verbindung einwirken – wenn sie unter Zug oder Druck stehen, wenn Spannungen oder Verformungen entstehen. Sie zeigt sich in einer Zeit, in der öffentliche Haushalte, wie jener der Steiermark, von der Schulden-Last vergangener Jahrzehnte zu befreien sind und sie zeigt sich in einer Zeit, in der überkommene und daher nicht mehr effiziente Strukturen durch schlanke und schlagkräftige ersetzt werden sollen.

Die Qualität von Verbindungen ist über Menschen definiert. Über ihre Empathie, ihre Weitsicht und ihre Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Über ihre Leistungsbereitschaft, ihren Verzicht auf populistischen Kleingeldwechsel und ihren Willen, sich für ein großes Ganzes einzusetzen.

Das gilt für jede Form des Miteinanders – im Kleinen wie im Großen. In der Verantwortung innerhalb einer Familie, wie in der Verantwortung innerhalb von Unternehmen oder gar Regionen. Verbindungen basieren auf der Zuverlässigkeit von Partnerschaften, auf Gesprächsbereitschaft und auf Vertrauen.

In der Chemie unterscheiden wir zwischen einer Vielzahl von Verbindungsarten. Mehr als 100 Millionen verschiedene chemische Verbindungen sind uns bekannt. Letztlich handelt es sich aber immer um dasselbe Prinzip: Aus der Verbindung verschiedener Ausgangsstoffen entstehen neue Stoffe mit neuen Eigenschaften.

Wie auch in der Politik verschiedene Konstellationen zu Ergebnissen mit unterschiedlichen Eigenschaften führen. Manche von ihnen sind ganz offensichtlich standortverträglicher als andere. Jedenfalls scheint es Konstellationen zu geben, die willens sind, ihre potentielle Energie in freie Energie zu verwandeln.

Oder anders gesagt: Diese Bundesregierung ist die erste seit vielen, die ihre im Wahlkampf gemachten Versprechen in ein Regierungsprogramm übersetzt und dieses Punkt für Punkt auch umsetzt.

Das sind Einige in unserem Land offenbar schon nicht mehr gewohnt.

Schon gar nicht die Geschwindigkeit der dadurch entstehenden Veränderung. Und auch hier existieren Parallelen zur chemischen Reaktion. Langsam verrostet Metall – genauso kann ein Standort langsam vor sich hin rosten und letztlich verrosten. Das Entrosten dagegen ist ein vergleichsweise rascher chemischer Prozess. Wir bewegen uns in einem Zeitfenster des Entrostens standortpolitischer Dynamik.

Und das ist gut und wichtig für die Steiermark und Österreich. Und für die Menschen, die hier leben.

Österreich ist in den letzten Jahren träge geworden. Ankündigungen und nichteingelöste Zusagen machen einen Standort nicht attraktiver. Durch Versprechungen, die dann wieder zurückgenommen oder schlicht vergessen werden, entstehen keine Zukunftsperspektiven. Damit aber auch keine Arbeitsplätze und kein Wohlstand.

Kein Wunder also, dass die Reaktionszeit, die wir uns nunmehr bei der Lösung der großen Zukunftsfragen Österreichs erwarten, eine kurze ist. Und gut, dass die neue politische Konstellation auf Bundesebene offensichtlich imstande ist, diesen Rückstau rasch abzuarbeiten.

Aber die Österreicherinnen und Österreicher haben es sich verdient, dass ihre Welt nicht von alten Denkmustern geprägt ist. Auch nicht jenem von Arbeit als Leid und von Arbeitgebern als Personen, vor denen sie geschützt werden müssen. Wir müssen den rechtlichen Rahmen von Arbeit mit der modernen und realen Arbeits- und Lebenswelt der Österreicher in Einklang bringen. Und akzeptieren, dass die meisten Menschen gerne arbeiten, sich mit ihrer Arbeit und ihrem Arbeitgeber identifizieren und in ihrer Arbeit Erfüllung finden.

Der Begriff der Work-Life-Balance ist missverstanden, wenn er mit dem Bild der Arbeit hier und dem Leben dort assoziiert wird. Es geht auch hier um die Verbindung von Menschen mit dem, was sie tun. Und gerne tun. Die Arbeit ist Teil des Lebens, sie ist nicht das Gegenteil.

Lassen wir uns nicht vormachen, dass es bei den aktuellen Protesten um Arbeitnehmerinteressen geht, wenn in Wahrheit bloßer Machterhalt der Antrieb ist. Wer Angst hat, Macht und Einfluss zu verlieren, sollte das offen sagen und sich nicht hinter Feindbildern und angeblichen Schutznotwendigkeiten von Arbeitnehmern verstecken.

Vor allem sind die Sprache und der bewusste Versuch der Destabilisierung zu kritisieren. Auch die Bildsprache: Geballte Fäuste haben im Österreich des 21. Jahrhunderts nichts verloren.

Die Industrie verbindet Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Ich wage zu behaupten: Das Miteinander der Menschen, von Lehrlingen über Fachkräfte, Angestellte, Arbeiter, Forscher, Führungspersonen und Eigentümern funktioniert in keinem anderen Bereich so gut und ist getragen von gegenseitiger Wertschätzung.

Wir sollten uns dessen bewusst sein. Und nach Rahmenbedingungen verlangen, die dieses Miteinander in der Industrie respektieren und anerkennen. Wir brauchen keine Regelung für jeden erdenklichen Extremfall, die uns im täglichen Tun behindert.

Wir brauchen Connections auf allen Ebenen – der betrieblichen und der institutionellen Sozialpartnerschaft - die uns dem gemeinsamen Ziel, die Steiermark zu einem noch besseren und nachhaltig abgesicherten Ort mit hoher Qualität des Lebens zu entwickeln, jeden Tag näher bringen.

Dass wir auf diesem Weg völlig neu denken müssen, ist ebenso klar wie oft gehörter Stehsatz. Dass wir neu denken können, ist unser Privileg. Wir verdanken es Innovation, Bildung und Investitionen.

Die Investition „Koralm-Tunnel“ wird uns ein neues Denken hinsichtlich unseres unmittelbaren Wirtschafts- und Lebensraumes ermöglichen. Und der Tunnel wird die Steiermark und Kärnten verbinden: Aus zwei Wirtschaftsstandorten wird ein gemeinsamer Wirtschaftsraum. Aus zwei Forschungsstandorten wird eine Innovationsregion.

Lieber Hermann Schützenhöfer, liebe Vertreter der Landesregierung, wenn wir die sich Mitte des kommenden Jahrzehnts bietenden Chancen bestmöglich nutzen wollen, gilt es schon heute mit unseren Partnern in Kärnten an einer gemeinsamen Standort-, Innovations- und Bildungspolitik zu arbeiten. Diese knapp 33 Kilometer lange Verbindung in Form eines Tunnels kann zum „Gamechanger“ für den Süden Österreichs werden.

Ergreifen wir diese Chance und definieren wir unsere Region gemeinsam neu.

Eine Region, deren Lebensqualität, Bildungs- und Kulturangebot, Infrastruktur und deren Arbeitsplätze in Innovation und Produktion für die besten Köpfe aus aller Welt noch attraktiver werden, als das jetzt der Fall ist.

Eine Region, die gestärkt auch ihre Anbindung an große europäische Räume und Verkehrsachsen einfordern kann und muss – insbesondere auf den Ausbau der Schienenverbindung in Richtung Deutschland durch den Aus- und Neubau der Pyhrn-Schober-Achse – eines neuen Bosrucktunnels.

Harmonie ist die Vereinigung von Entgegengesetztem zu einem Ganzen. Es gibt harmonische und weniger harmonische Verbindungen, wie wir wissen. Wie groß auch immer die vermeintlichen Gegensätze sind, wir müssen uns auf das gemeinsame Ganze fokussieren – das Wohl der Menschen in unserem Land. Und zwar jener Menschen, die heute in der Steiermark leben, und jener, die das in den kommenden Jahrzehnten tun werden.

Eine Verbindung mit diesem Blick wird uns und unsere Jugend in eine gute Zukunft führen können. Wir benötigen keine Harmonie der Harmonie wegen. Wir benötigen keine Harmonie für gemeinsame Pressefotos von Sozialpartnern und Politikern. Wir benötigen die Harmonie, die sich aus dem Verfolgen eines gemeinsamen Ziels ergibt. Aus dem gemeinsamen Ganzen.

In einem Land, dessen herausragende Entwicklung der jüngeren Vergangenheit so stark von der Produktion geprägt war, wie das in der Steiermark der Fall ist, muss ein solches Ganzes eine starke Fokussierung auf die Industrie haben. Ein Land, dessen Wertschöpfung zu 34 Prozent aus der Industrie kommt und dessen Arbeitnehmer zu weit mehr als der Hälfte in oder für die Industrie arbeiten. Zu einer Zeit, in der wesentliche Weichenstellungen für zukünftige Entwicklungen zu erfolgen haben. In einem Zeitalter der Transformation, in dem Investitionen wichtiger und wegweisender sind denn je.

Die große Klammer, die über allem zu stehen hat, heißt: gemeinsam für eine gute Zukunft der Steirerinnen und Steirer.

Die Vision ist es, die Steiermark zu einer Gewinnerregion der digitalen Transformation zu machen.

Das schulden wir insbesondere unserer Jugend.

Die Industrie verbindet die Gegenwart und die Zukunft.

Die Industrie verbindet die Regionen der Steiermark und die Steiermark mit der Welt.

Die Industrie verbindet Menschen.

Bleiben wir in Verbindung.

 

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