Steirische Industrie: Investitionen auf Höchststand

Investitionstätigkeit der Industrie legt heuer mit 12,7 Prozent deutlich zu. Stabiler Konjunkturausblick bis Jahresende. Arbeitszeit-Rahmen, Qualifikation und Senkung der Lohnnebenkosten auf deutsches Niveau als zentrale Anliegen an kommende Bundesregierung.

Die Prognosen einer von der IV-Steiermark beauftragten Studie des Joanneum Research für Industrieinvestitionen 2017 gehen im zweiten Jahr in Folge stetig nach oben. Bis zum Jahresende wird die steirische Industrie Bruttoanlageinvestitionen in der Höhe von 3,2 Milliarden Euro getätigt haben. Ein Zuwachs von 12,7 Prozent im Vergleich zu 2016. Die Investitionen der steirischen Industrie im Jahr 2017 bewirken ein deutliches Wachstum der Wertschöpfung und der Beschäftigung über die Landesgrenzen hinaus. Mit ihnen werden rund 31.800 Arbeitsplätze in ganz Österreich ausgelastet bzw. neu geschaffen, 12.700 davon in der Steiermark. 2,2 Milliarden Euro an zusätzlicher Wertschöpfung werden generiert, etwa 840 Millionen davon unmittelbar im Bundesland Steiermark.

Alle Branchen investieren mehr als im Vorjahr
Das Investitionswachstum wird dabei von allen Branchen der steirischen Industrie getragen. Den stärksten Zuwachs identifizierte Studienautor Eric Kirschner, Experte für Regionalökonomie und Strukturpolitik bei Joanneum Research, im Maschinenbau, in dem heuer um 15,7 Prozent mehr investiert wird als 2016. Dicht gefolgt vom Fahrzeugbau, der um 15,6 Prozent zulegen wird. In der Betrachtung der absoluten Investitionsausgaben rangiert die Metall-Branche auf Platz eins. 714 Millionen Euro investieren die steirischen Metallverarbeiter und -erzeuger im Jahr 2017 – um 86 Millionen oder 13,7 Prozent mehr als im Jahr 2016. Das zweithöchste Investitionsvolumen findet sich mit 556 Millionen Euro (ein Plus von 14, Prozent) in der Elektro- und Elektronikindustrie.

Optimismus wird in Investitionen übersetzt: Erweiterung der vorhandenen Kapazitäten
Besonders erfreulich ist aus Sicht der IV-Steiermark, dass die Auflösung des Investitionsrückstaus nun beendet zu sein scheint und vermehrt in Erweiterungen investiert wird. Grundlage für diese Einschätzung liefert die Analyse der Investitionsmotive, die ebenfalls Teil der JR-Studie ist. „Die Zahl der Unternehmen, die aus dem Motiv der Kapazitätsausweitung investieren, hat erfreulich zugelegt. Seit dem 2. Halbjahr haben die Erweiterungsinvestitionen von 16 Prozent auf 23 Prozent zugelegt. Damit liegt die Steiermark im Gegensatz zur Situation des Vorjahres über dem Österreich-Schnitt von 22,2 Prozent.“, hebt IV-Steiermark Präsident Georg Knill hervor. Gleichzeitig betont man in der IV-Steiermark, dass Österreich bei den Erweiterungsinvestitionen immer noch deutlich hinter Deutschland (37,5 Prozent sind Erweiterungsinvestitionen) liegt. Der Ersatz alter Anlagen oder Ausrüstungen ist zwar nach wie vor primäres Investitionsziel in der steirischen Industrie, verliert jedoch deutlich an Bedeutung (minus sechs Prozentpunkte). Rückläufig sind auch Rationalisierungsinvestitionen. Ein weiterer Indikator, dass der Investitionsrückstau der Jahre 2013-15 abgearbeitet ist und der bereits in den vergangenen Konjunkturumfragen der IV-Steiermark überdurchschnittliche Optimismus steirischer Industriebtriebe nun auch in Investitionen übersetzt wird.

Hochtechnologie als Treiber der Investition und der Beschäftigung Befürchtungen, die zunehmende Digitalisierung und Technologiesierung würden mehr Arbeitsplätze vernichten als schaffen zum Trotz, belegt die JR-Studie auch, dass in den vergangenen sechs Jahren die Beschäftigung im produzierenden Hochtechnologiebereich (plus 4,4 Prozent per anno) und in den wissensintensiven Hochtechnologiedienstleistungen (plus 6,4 Prozent per anno) am stärksten gewachsen ist. „Gerade an diesen Daten ist die Symbiose von Digitalisierung und Beschäftigung zu erkennen. Wer in Hochtechnologie investiert, sichert auch Beschäftigung in der Steiermark. Hochtechnologie ist der Treiber der Investitionstätigkeit und auch des Beschäftigungswachstums in der Steiermark“, ist Knill überzeugt. Und weist mit Nachdruck auf jenen Bereich hin, der bereits im Rahmen der Studienpräsentation im Vorjahr als potentielle Wachstums- und Investitionsbremse identifiziert wurde: Den Mangel an Arbeits- und Fachkräften, der insbesondere periphere Regionen belastet.

IV-Umfrage: Stabile Industriekonjunktur
In der steirischen Industrie hat sich der konjunkturelle Aufschwung der vergangenen Monate stabilisiert und setzt sich laut IV-Konjunkturumfrage, in die Rückmeldungen von 57 Betrieben mit rund 42.000 Beschäftigen eingingen, auf gutem Niveau fort. Sowohl die Bewertung der derzeitigen Geschäftslage als auch jene des aktuellen Auftragsbestandes fallen deutlich positiv aus und erreichen mit +73 bzw. mit +67 das höchste Niveau seit 2008. Deutlich unter den Werten von Phasen vergleichbarer Geschäftslage liegt jedoch die Ertragslage der Unternehmen. Der Index der aktuellen Ertragslage fällt im Vergleich zum Vorquartal sogar um zwei Punkte auf +31. Da seitens der Betriebe nicht mit einem Anziehen der Verkaufspreise gerechnet wird (71 Prozent gehen von unveränderten Preisen aus), lässt sich die angespannte Situation wohl nur durch Kostensenkungen lösen. „Hier sehen wir Möglichkeit und Notwendigkeit der neuen Bundesregierung, rasch und unmittelbar zu unterstützen.“, betont Gernot Pagger, Geschäftsführer der IV-Steiermark.

Personalbedarf steigt weiter
Ungebrochen ist der Positivtrend in der Produktions- und Personalplanung. Exakt die Hälfte der Unternehmen geht davon aus, die Produktionstätigkeit im vierten Quartal auszuweiten. 44 Prozent aller Betriebe rechnen mit einem weiteren Personalaufbau.

Wermutstropfen Ertragslage
Der Blick in das erste Quartal des Jahres 2018 zeigt keine zu erwartenden signifikanten Abweichungen der Nachfrage nach steirischen Industrieprodukten. Der Saldo der prognostizierten Geschäftslage liegt bei +31 nach zuletzt +30. Keine Entspannung ist hingegen im Bereich der Ertragssituation absehbar. Der Index der Ertrags-erwartung fällt sogar von zuletzt +23 auf nunmehr +18. „Für die globalen Märkte ist die steirische Industrie mit ihren hochtechnologischen Produkten derzeit sehr gut aufgestellt. Nun liegt es an den Standortrahmen-bedingungen und ganz besonders an der Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften, ob wir den aktuellen Rückenwind nachhaltige in einen Mehrwert für die Steiermark nutzen können.“, fasst Pagger den Ausblick auf Basis der aktuellen Konjunkturumfrage zusammen.

Gute Ausgangsposition für neue Regierung
„Anspruch der neuen Bundesregierung muss es sein, Österreich zur Spitze der Industriestaaten zu führen. Die Ausgangssituation ist denkbar günstig.“, betont Knill. „Die Konjunktur ist auf gutem Niveau und stabil, die Unternehmen stärken mit Investitionen den Standort und geben so den politischen Entscheidungsträgern eine hohe Planbarkeit bei hohen Einnahmen und niedrigen staatlichen Ausgabeerfordernissen. Es liegt an der kommenden Bundesregierung, diese dankbare Situation bestmöglich zu nutzen.“, so Knill. Als wesentliche Handlungsfelder für die Bundesregierung nennt der IV-Steiermark Präsident die Implementierung eines neuen Arbeitsrechts mit zeitgemäßen Arbeitszeitregelungen. Weiters gilt es, das Lohn- und Sozialdumpingbekämpfungsgesetz dahingehend zu adaptieren, dass es auf echte Fälle von Lohndumping fokussiert und die Bürokratielast für international tätige Betriebe deutlich reduziert. Im Bereich der Forschung und der Innovation muss Österreich in die europäische Spitzengruppe der Innovations-Leader vorstoßen. „Die hohe F&E-Quote der Steiermark ist ein wichtiger Erfolg und Beleg für die erfolgreiche Konzentration auf und die enorme Investition in Hochtechnologie. Der steirische Weg der engen Kooperation zwischen Wissenschaft, Industrie und Politik muss Benchmark für ganz Österreich sein. Gleichzeitig müssen wir den Output der Forschung optimieren und wirkungsvolle Instrumente zur Förderung von Forschung und Innovation sicherstellen.“, betont Knill.

Nicht zuletzt in Anbetracht der in der Konjunkturumfrage dokumentierten angespannten Ertragslage der Betriebe muss die Steuer- und Abgabenlast in Österreich reduziert werden. Mit der Reduzierung der Steuern auf nicht entnommene Gewinne sowie einer Senkung der Abgaben und Lohnnebenkosten zumindest auf deutsches Niveau nennt die IV-Steiermark zwei konkrete Schritte, die von der Bundesregierung gesetzt werden sollen.

Fachkräfte als zentrale Zukunftsfrage der Steiermark
Die in der Konjunkturumfrage genannten Personalpläne und in der Investitionsstudie dokumentierten Erweiterungsvorhaben der steirischen Industrie unterstreichen den Stellenwert des Themas Fachkräftemangel für die Steiermark. „Wir alle, arbeitsmarkt- und bildungspolitische Akteure, Unternehmen und schließlich jeder Arbeitnehmer selbst, sind gefordert, in Qualifikation zu investieren. Im Idealfall geschieht dies möglichst arbeitsplatznahe und mit jenen Kompetenzen im Fokus, die in den steirischen Technologie-Stärkefeldern an Bedeutung gewinnen, wie etwa Softwareentwicklung. Gleichzeitig gilt es, Negativanreize in der Beschäftigungs-aufnahme zu beseitigen und die Leistungsorientierung in unserer Gesellschaft wieder zu stärken.“, so Knill. Allen Überlegungen, den gemeinsamen europäischen Arbeitsmarkt temporär oder sektoral zu schließen, wie auch einer Verkürzung der Arbeitszeit erteilt die IV-Steiermark eine klare Absage. „Wer den Fachkräfteengpass künstlich weiter verschärfen will, hat die steirische Realität nicht begriffen“, warnt Knill. 

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