IV-Steiermark-News

Industrie steht vor schwierigem zweiten Halbjahr 2022

Herbst bringt Unsicherheit und massive Herausforderungen für die steirische Industrie .

Hohe Auftragsbestände und sich gleichzeitig ankündigende und bereits eingetretene Engpässe bei der Verfügbarkeit von Energie und wesentlichen Produktionsmitteln sowie massiv steigende Preise prägen das Bild in der steirischen Industrie.

 Die aktuelle Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Steiermark (IV) dokumentiert die Auswirkungen von Ukraine-Krieg, Energieengpässen, Pandemie und Fachkräftemangel in der Steiermark. Der aktuelle Bestand an Aufträgen wird von zwei Drittel der Unternehmen als gut bewertet. Neue Auftragseingänge verzögern sich jedoch vielerorts aufgrund der gesamtwirtschaftlichen und energiepolitischen Ungewissheiten. Das zeigen auch die konkreten IV-Umfrageergebnisse: Die aktuelle Geschäftslage wird von der steirischen Industrie mit einem Index von 64 bewertet, die in sechs Monaten erwartete Geschäftslage weist hingegen einen Index von -7 aus.

 Die enorm steigenden Kosten der Produktion können nur bedingt an Kunden weitergegeben werden: 56 Prozent der Betriebe gehen davon aus, dass die gestiegenen Herstellkosten nicht in höheren Verkaufspreisen abgebildet werden können. Lieferkettenprobleme und Herausforderungen in der globalen Logistik tragen dazu bei, dass vier von zehn Unternehmen von sinkenden Erträgen im zweiten Halbjahr ausgehen.

 Um die bestehenden Aufträge abarbeiten zu können, benötigen die Unternehmen neben einer sicheren Energieversorgung insbesondere Arbeits- und Fachkräfte auf nahezu allen fachlichen Ebenen. 37 Prozent der befragten Betriebe haben vor, bis zum Herbst neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzustellen. Nur ein Prozent plant den aktuellen Personalstand zu reduzieren. Der daraus resultierende Saldo von 36 liegt nochmals sechs Punkte über dem Wert des Vorquartals.

Energiekosten: Grenzen der Wettbewerbsfähigkeit
Der weitere Konjunkturverlauf muss in zwei grundlegenden Szenarien gedacht werden: jenem, mit für die Auslastung der Produktionskapazitäten ausreichender Energieversorgung, und jenem, in dem das nicht der Fall ist. „Beide Szenarien bringen enorme Herausforderungen für die heimischen Betriebe mit sich, denn auch im Fall von ausreichender Mengenverfügbarkeit bringen die Energiepreise in Österreich Unternehmen an die Grenzen ihrer Wettbewerbsfähigkeit“, betont Gernot Pagger, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Steiermark. „Dies gilt für den globalen, aber auch den innereuropäischen Vergleich – Österreichs Energiekosten sind beispielsweise deutlich höher als jene in Deutschland“, so Pagger weiter.

 Internationale politische Vereinbarungen sollen Sicherheit erhöhen
Z
ur Sicherung des Zuganges zu allen potenziellen Bezugsquellen von Erdgas ist die Bundesregierung aus Sicht der IV-Steiermark gefordert, ihre Bemühungen verstärkt auch nach Süden (primär in Richtung Italien) auszurichten. Dafür sind als nächster Schritt politische Initiativen und Grundsatzvereinbarungen auf Regierungsebene erforderlich. Danach können österreichische EVUs und Großabnehmer als Bedarfsträger tätig werden. Wesentlich ist für die IV nun Geschwindigkeit aufzunehmen und politische Vereinbarungen zu treffen.

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Die IV-Konjunkturumfrage: Zur Befragungsmethode
An der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Steiermark beteiligten sich 43 Unternehmen mit 39.700 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt folgende Methode zur Anwendung: den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible „Saldo“ bzw. „Index“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.